Spiritismus - ist da vielleicht mehr dran als viele meinen?

Essay zum Thema Geister

von  Bluebird


Ein kluger, gebildeter Gentleman vom Lande namens Reginald Scot schrieb 1584 The Discovery of Witchcraft. Er vertrat darin den Standpunkt eines radikalen Skeptikers und erklärte, dass allle spiritistischen Manifestationen auf kunstvollem Schwindel beruhten. ...
  König Jakob I. nannte das Buch verwerflich und verfasste daraufhin seine eigene Dämonologie, um es zu widerlegen. ...

Scot ging fehl in der Annahme, dass alle spritistischen Manifestationen auf Betrug oder eine Art Geistesgestörtheit der Zeugen beruhten. 1
Ich schließe mich hier dem Urteil von Colin Wilson an, aber die eigentliche Frage lautet: Wie kann es sein, dass man bis heute diese Sache nicht eindeutig klären konnte und es immer noch diese beiden Meinungslager gibt?


Anmerkung von Bluebird:


1 "Das Okkulte", Colin Wilson, S. 378

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Frühere bzw. ältere Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (30.07.21)
Wie kann es sein, dass man bis heute diese Sache nicht eindeutig klären konnte und es immer noch diese beiden Meinungslager gibt?
Das könnte man genauso über die 'jüdische Weltverschwörung' sagen. Oder wie Platon meinte: "τοῖς πολλοῖς πολλὰ δοκεῖ." (Die Vielen meinen vieles.)

Wie kommt es, und das wäre meine Frage, daß hier von ca. 100 aktiven Autoren nur einer sich ständig mit Dämonen befaßt?
Erscheinen Dämonen vielleicht nur Leuten, die an sie glauben?
Ich jedenfalls hatte in meinem Leben noch nie etwas mit Dämonen zu tun und kenne auch niemanden, dem sie begegnet sind - mit einer Ausnahme.
Es ist ja oft so, daß erst der Glaube kommt und dann die Erfahrung, die ihn bestätigt.
Woher aber mag dieser Glaube kommen?

 Graeculus meinte dazu am 30.07.21:
Gerade die Zeit der Hexenverfolgung, in der Reginal Scot sein Buch geschrieben hat, gibt zu vielen Bedenken gegen diesen Dämonenglauben Anlaß.

 Bluebird antwortete darauf am 30.07.21:
Es ist ja oft so, daß erst der Glaube kommt und dann die Erfahrung, die ihn bestätigt.
"Erst die Erfahrung und dann der Glaube bzw. die Erkenntnis", geht auch:  hier
"Wie kommt es, und das wäre meine Frage, daß hier von ca. 100 aktiven Autoren nur einer sich ständig mit Dämonen befaßt?"
Selbstverständlich beschäftige ich mich nicht ständig mit dem Thema "Dämonen".
Aber ich blende diesen Teil der Wirklichkeit nicht aus, und gerade wenn es um Paranormales und Übernatürliches geht ( siehe Gesamtüberschrift: Paranormale Phänomene und Übernatürliches - von einem Christen unter die Lupe genommen.) kann ich die Dämonen natürlich nicht verschweigen.
Sie sind nach christlichem und auch meinem Verständnis eine wesentliche Quelle des Paranormalen und Übernatürlichen!

 Graeculus schrieb daraufhin am 30.07.21:
Du magst das "ständig" durch "immer wieder" ersetzen - dann bleibt immer noch die Frage: Warum nur einer unter 100?
Wie gesagt, ich hatte nie etwas damit zu tun, und - mit dir als einziger Ausnahme - auch nie jemand, den ich kenne.
Und dabei habe ich durchaus Unerklärliches erlebt, bin auch nicht blind dafür. Aber Dämonen? Nein.

Mit dem Bösen habe ich mich mal befaßt: mit der schwer bis gar nicht erklärbaren Neigung 'ganz normaler Menschen', unter bestimmten Umständen die abscheulichsten, abgründigsten Dinge zu tun. Bsp.: das Massaker von My Lai.
Nicht, daß ich eine Erklärung dafür hätte, aber ich habe auch dort nirgends den Teufel am Werk gefunden, so wie er in den Hexenprozessen immer dargestellt wurde.
Am tiefsten reichte noch die - rätselhafte - Aussage eines der Täter von My Lai, Varnado Simpson: "I had no feelings, no emotions, I just killed." Er hatte etwas getan, was er im Nachhinein selber nicht verstanden hat; aber weder mit dem Teufel noch mit Dämonen hatte er ein Erlebnis.

 Bluebird äußerte darauf am 30.07.21:
Na ja, ich weiß nicht, wie es kommt, dass du von solchen Dingen nichts mitbekommen hast oder haben willst. Entsprechende Berichte sind wirklich ohne Zahl.
Also gerade im tibetischen Buddhismus, im Voodoo, in brasilianischen Geisterkulten usw. gescheen vollkommen offensichtliche Inkorpationen solcher Geister, die dann auch durch die sich in Trance befindlichen Personen reden oder Dinge tun, wie beispeilsweise Diagnosen ertellen, Operationen durchführen oder aber Bilder im Stile berühmter Maler in Minuten erstellen ...
Die entsprechenden Berichte sind vielfältig und ohne Zahl. Durchaus auch seriöser Natur, wie beispielsweise das Buch "Schamanismus und Heilen", aus dem das ORF eine mehrteilige Dokumentation gemacht hat. Vielleicht war es auch umgekehrt: Erst die Dokumentation und dann das Buch. Müsste ich nachschauen!

Ich sage mal so: Hier in dieser Gesellschaft müssen sehr wirksame Filtersysteme aktiviert sein, dass diese Dinge nicht ins allgemeine Bewusstsein gelangen.
Anders ist das für mich nicht erklärbar!

 Graeculus ergänzte dazu am 30.07.21:
Es geht doch nicht darum, daß ich solche Berichte nicht kenne. Mir persönlich sind noch keine Dämonen begegnet - und selbst hier auf kV bist du anscheinend der einzige, dem das passiert ist.
Ein eigenes Filtersystem braucht es dafür nicht. Sie zeigen sich uns nicht.

 Graeculus meinte dazu am 31.07.21:
Ich möchte einen Aspekt wiederholen, auf den du nicht eingegangen bist:
Ich habe dem Phänomen des Bösen einmal nachgeforscht und bin weder in My Lai noch in Auschwitz auf irgendwelche Berichte über das Wirken von Dämonen gestoßen.
Daraus habe ich geschlossen, daß diese in unserer Welt eher ein Randphänomen für spiritistische Sitzungen und Exorzismen sind.
Zur Erklärung des Bösen tragen sie praktisch nichts bei. Nicht weil die Psychologen so borniert wären, sondern weil die Kaduks, Bogners und Simpsons dieser Welt nichts von Dämonen berichten und auch sonst keinerlei Anzeichen dämonischer Besessenheit zeigen.

 Bluebird meinte dazu am 31.07.21:
Sorry, Graeculus, wir leben da offensichtlich in zwei komplett unterschiedlichen Wahrnehmungs-Welten.

Ich wiederhole mich: Die entsprechenden Berichte, Indizien, Beweise - wenn man sie den "sehen" will oder kann - sind ohne Zahl.
Für mich besteht da nicht der Hauch eines Zweifels an der Existenz von Dämonen und ihrer Umtriebigkeit in der Welt. Die diesbezügliche gesellschaftliche Ahnungslosigkeit beweist, wieviel Aufklärungsarbeit hier noch vonnöten ist

Antwort geändert am 31.07.2021 um 10:33 Uhr

 Graeculus meinte dazu am 31.07.21:
Du hast Beweise dafür, daß Dämonen an Genoziden und Masenmorden beteiligt sind?

 Bluebird meinte dazu am 31.07.21:
Das Wirken der bösen Geister bleibt niemandem verborgen, der mit wachen, von Gott geöffneten Augen, durchs Leben geht. Ich habe dafür schon etlliche Beispiele geliefert, aber vielleicht ist das noch nicht so ins Bewusstsein durchgedrungen.
Deshalb hier noch einmal ein kleines Beispiel:  hier

 Graeculus meinte dazu am 31.07.21:
Ich hätte gerne eine Antwort auf die Frage nach Genoziden und Massenmorden - weil das die Probleme sind, die die Menschheit bedrücken.
Welche Rolle spielen Dämonen dabei? Und warum spricht niemand, sprichst nicht einmal du, davon?
(Die Letzten, die das getan haben mit Blick auf das große Ganze, waren die Inquisitoren bei der Hexenverfolgung.)

 Bluebird meinte dazu am 31.07.21:
Wenn also im Kleinen schon das Wirken dämonischer Geister belegbar ist, so sollte es das im Großen nicht sein?
Ich gehe davon aus, dass beispielsweise das NS-Regime eine tiefe dämonische Verstrickung vorlag und dies selbstverständlich auch nachweisbar ist.
Ich habe mich speziell mit diesem Thema aber noch nicht näher beschäftigt. Aber das kann ja noch kommen.

Grundsätzlich kann man von folgender Faustregel ausgehen: "Da wo das Böse sich (massiv) manifestiert, sind die bösen Geister meist nicht weit entfernt!"

 Ralf_Renkking meinte dazu am 31.07.21:
Voldemorts Namen spricht ja auch kein Zauberer gerne aus.
😂😂

 Graeculus meinte dazu am 31.07.21:
Ich habe viele Interviews mit Tätern aus dem Bereich von Genozid und Massenmord gelesen. Keiner von denen spricht von Dämonen, keiner von ihnen zeigt die im Rituale Romanum aufgelisteten Kriterien für Besessenheit - ich bin nicht der erste, dem auffällt, daß das meist ganz normale, oft geradezu spießbürgerliche Existenzen sind.
Fast alle machen sich nichtmal ein Gewissen aus dem, was sie getan haben.

Vgl. Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. (1963)

Da hilft die Unterstellung von Dämonen nicht weiter, um dieses Phänomen zu verstehen.

Die speziellen Einzelfälle, auf die du dich kaprizierst, sind viel schwerer zu überprüfen. Und da sie kein mich interessierendes Phänomen betreffen, habe ich auch wenig Lust, dem mühsam nachzugehen. Ich nehme sie einfach zur Kenntnis.

 Graeculus meinte dazu am 01.08.21:
Dies sind übrigens die Kriterien für die Besessenheit von Dämonen gemäß dem Rituale Romanum:
Verdacht auf Besessenheit:
1. Plötzliche Umwandlung in tierische Sitten;
2. schwerer Schlaf;
3. wenn einer sich dem Teufel verschrieben hat;
4. Anrufung des Teufels, damit der den Betreffenden aufnimmt;
5. Toben.

Starke Vermutungen für Besessenheit:
1. Barbarische, ungewohnte Laute und tierisches Heulen;
2. ein schrecklicher Gesichtsausdruck;
3. große Unruhe, so daß der Betreffende nicht an einem Ort bleiben kann und will, sondern die Einsamkeit aufsucht;
4. Gliederstarre und Beraubung fast jeglicher vitalen Tätigkeit;
5. Kräfte im menschlichen Körper, die die Kräfte eines Menschen übersteigen;
6. wenn eine Person auf verschiedene Weise gequält und gefoltert, bald ins Feuer, bald ins Wasser geworfen wird (von den Teufeln), bald sich mit Messern verletzt, bald versucht, sich mit einem Stich oder auf andere Weise das Leben zu nehmen.

Sichere Anzeichen für Besessenheit:
1. Die plötzliche Kenntnis fremder Sprachen, wenn nicht die Vermutung eines göttlichen Wunders besteht; ebenso ist zu urteilen, wenn der Betreffende plötzlich kunstvoll lesen, schreiben und singen kann (allein dastehend sind diese Anzeichen nicht ausschlaggebend; vergleiche die Schilderung des Pfingstfestes in der Bibel und gewisse parapsychologische Phänomene),
2. wenn der Betreffende über erhabene Dinge spricht, die er nicht erlernt hat;
3. wenn er Geheimes offenbart, das nur Dämonen, aber nicht Menschen wissen können, zum Beispiel verborgene Sünden, und, wenn die Krise aufhört, über die verborgenen Dinge, von denen er gesprochen hat, keine Auskunft geben kann;
4. wenn man die Dämonen überhaupt nicht hindern kann zu sprechen;
5. wenn sie den Befehl, den Namen Gottes oder Jesu oder eines Heiligen anzurufen, nicht ausführen können;
6. wenn sie bei der Verwendung von Reliquien, des Agnus Dei, eines Kreuzbildes, einer geweihten Kerze und von Weihwasser erschreckt, erschüttert und ungeduldig werden;
7. wenn sie den Exorzismus nicht ertragen können;
8. wenn sie beim Betreten der Kirche Lärm machen und man sie kaum zwingen kann, dem Gottesdienst beizuwohnen oder das Evangelium anzuhören.
Und du meinst, das träfe auf diejenigen zu, die im GULag, in den NS-Vernichtungslagern, bei den Roten Khmer usw. Hundertausende, ja Millionen von Menschen umgebracht haben?

 Bluebird meinte dazu am 01.08.21:
Wie gesagt, ich habe mich konkret damit noch nicht eingehender beschäftigt. Aber findest du nicht, dass beispielsweise Hitler eine dämonische Austrahlung hatte, insbesondere auch bei seine Reden?
Ich empfehle folgenden Artikel zur Lektüre:   War Hitler besessen?

 Judas (31.07.21)
Wenn dich diese Frage wirklich interessiert, lege ich dir an's Herz, dich eingehender mit Charles Hoy Fort zu beschäftigen.

 Ralf_Renkking (31.07.21)
Du Vogel verschweigst, dass Jakob I. die Schriften Scots bei seinem Amtsantritt 1603 verbrennen ließ, zudem Hexenverbrennungen sowohl bis ins 18. Jahrhundert als adäquater Ersatz für das Brot-, und Spiele-Prinzip herhielten als auch zur "legalen" Enteignung wohlhabender Gegenspieler dienten.
Mir ist es ein Rätsel, wie Wilson und Du sich auf die Seite eines so macht-, und geldgierigen Herrschers schlagen können, sorry, aber wenn mir heutzutage noch jemand mit Exorzismus oder Dämonen kommt, kann ich nur den Kopf schütteln, ebenso bei Wilsons Unterstellung, dass Scot nicht gewusst haben will, wie Zeugen eines Prozesses zu einer Aussage bewegt werden können und bei ihnen stattdessen "eine Art Geistesgestörtheit" vermutet hätte. Der Mann hat Zaubertricks und sonstigen Schnickschnack aufgedeckt, einmal abgesehen davon, dass er als Frühaufklärer im Sinn des christlichen Glaubens gilt, warum sollte er zu solchen Schutzbehauptungen greifen?
An Deiner Stelle würde ich mich mal mit der Glaubwürdigkeit Wilsons auseinandersetzen, anstatt sein Pamphlet unkritisch als Quelle zu präsentieren. 🙃

Ciao, Frank

 Regina (31.07.21)
Lest doch mal wieder Goethes "Hexenmeister", liebe Freunde. Darin ist beschrieben, wie ein blutiger Okkult-Anfänger seinen Meister nachahmt und dann nicht zurecht kommt, denn "als Geister ruft euch erst hervor der alte Meister."
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