Dem Wald verpflichtet

Aphorismus zum Thema Betrachtung

von  EkkehartMittelberg

1. Wer den Wald vor Bäumen nicht sieht, sieht auch die Bäume vor Wald nicht.

2. Auch im Urwald herrscht Ordnung, ohne Förster.

3. Wer den Wald schützt, bewahrt das Leben.

4. Der Wert des Waldes ist mit seiner Entromantisierung nicht gefallen.

5. Wer sich täglich im Wald ergeht, braucht keinen Psychotherapeuten.

Kommentare zu diesem Text


 Regina (10.10.21)
3. wichtig, 4. die Entromantisierung war überflüssig, aber die Zecken helfen dazu, 5. leider wieder ein paar Arbeitslose.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.10.21:
Merci, ich mag deinen trockenen Humor, Gina.
LG
Ekki

 Jo-W. (10.10.21)
hi,Ekki,stimme allen zu ,nur nicht Nr,.5-bin immer ein `Waldmensch` gewesen-aber es reichte nicht für mich-einen Morgengruß-Jo

 EkkehartMittelberg antwortete darauf am 10.10.21:
Gracias, Jo, das ist okay. Schließlich müssen die Psychotherapeuten auch leben.
LG
Ekki

 Ferdi (10.10.21)
5. Dachte meine Familien in den 50ern auch. Bis meine Tante Fanny sich dann im Wald erhängt hat.

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 10.10.21:
Es gibt Leiden, die auch der Wald nicht heilen kann.

 Ferdi äußerte darauf am 10.10.21:
Meine Tante Fanny litt unter einem religiösen Wahn.

Kein Leiden, das Psychotherapie erfordert, kann vom Wald geheilt werden. Punkt 5 romantisiert den Wald und bagatellisiert psychische Erkrankungen.

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 10.10.21:
Dennoch bin ich sicher, dass der Wald psychischen Erkrankungen vorbeugen kann. Selbstverständlich funktioniert das nicht immer.

 harzgebirgler (10.10.21)
wald wird gern nur als holz geseh'n
des preise durch die decke geh'n
zur zeit zumindest : satt gewinn
ist somit momentan echt drin
drum wird gefällt was das zeug hält
denn sogar schadholz bringt jetzt geld -

der bedarf ist riesengroß
und im wald der teufel los
auch aufgrund von großmaschinen
die zur holzernte längst dienen:
wie es ihm dabei ergeht
auf nem andren blatte steht...

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.10.21:
Hallo Henning, dein Gedicht ist eine schöne Ergänzung zu meinen Aphorismen. Vielen Dank.
LG
Ekki

 unefemme (10.10.21)
Zu 1 - 4: Mein uneingeschränktes Ja.
5 halte ich in dieser Aussage für zu absolut, weil sie im Umkehrschluss sagt: Wärest du täglich durch den Wald gegangen, wäre deine Seele gesund (geblieben).
Die hohe Heilkraft der Bäume, des Waldes auf die Seele ist unbestritten, aber ...
Lieben Gruß

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.10.21:
Graze unefemme, deine Einwand gegen 5 ist selbstverständlich berechtigt, aber ich denke, dass Aphorismen ein wenig überspitzen dürfen.
Liebe Grüße
Ekki

 AZU20 (10.10.21)
Im Urwald? Immer? 3 ist sehr wichtig. 4 und 5 stimmen ganz einfach. LG

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.10.21:
Vielen Dank, Armin. Mir ging es beim Urwald um die Ordnung, die die Natur ohne menschliche Eingriffe selbst schafft.
LG
Ekki

 AchterZwerg (10.10.21)
Zu 5.

Hätte es den Wald und die Parkanlagen nicht gegeben, wären viel mehr Menschen während des harten Lockdowns durchgekanallt als es eh schon sind. Insofern stimmt der Satz.
Er kann natürlich nicht alles heilen, aber doch so einiges regulieren.
- Falls nicht zu viele Smartphone-Schwätzer unterwegs sind ...

Herzliche Grüße
Piccola

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.10.21:
Vielen Dank für die angemessene Interpretation von 5, Piccola.
Herzliche Grüße
Ekki
Tod (56) meinte dazu am 10.10.21:
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 Palytarol (10.10.21)
Die konventionelle Waldwirtschaft entwaldet, Ekki, gewissermaßen den Wald.
Förster sind sehr zwiespältig zu betrachten, zumal, wenn sie sich in den Dienst eben der erstgenannten begeben.
Denn dann sind sie Teil der 'Entwaldung des Waldes', obschon kaum ein Fortsmensch von sich weisen täte, dem Wald verpflichtet zu sein, ihn zu beschützen.
Ein kontroverses Thema, und ich selbst hatte schon mit manch Baumheger, auch mit Jägern Diskussionen, die letztlich nicht versöhnlich endeten.
Mein Tenor, man müsse den Wald belassen, nicht beförstern, es sei ein Organismus, der selbst wisse wie er sich zu 'ordnen' habe, dies wurde in Zweifel gezogen. Zum einen, weil man seinen Stand zu rechtfertigen suchte, zum anderen, mit dem fragenden Hinweis darauf, ob ich denn keine Holzregale in meinem Zuhause hätte. Usw.
In Deutschland sterben gerade die Fichtenwälder, braune Steppen toten Nadelgehölzes allerorten. Was aber da zugrunde geht sind eigentlich keine Wälder, sondern forstwirtschaftliche Plantagen, die meisten gepflanzt nach dem Krieg zwecks Erlangung schnellen Holzes.
Diese Nicht-Wälder gehen nun, im Zuge klimatischer Schwankungen, hervorgerufen durch menschliche Planetenausbeutung, schlicht ein, sie sind einfach, wie alle Monokulturen, schwach, nicht resilient.
Ein Wald, der Wald ist, ist ein komplexes System. Er überragt uns, nicht allein an Größe, auch an Geist.
Vllt hat diese ahnende Ehrfurcht einst dazu beigetragen, ihn zu romantisieren.
Oder, igitt, sogar -'Deutscher Wald' - zu nationalisieren.
Trauriger Funfact: Nestlé-Ministerin Klöckner hat jetzt ein Waldrettungsprogramm aufgesetzt. Für 90 Mio Euro werden die Zombiewälder wieder aufgeforstet.
P.

 minze meinte dazu am 10.10.21:
Ich freu mich über soviel Leidenschaft und Inhalt in deinem Kommentar, paly ;). Da ist doch was für mich dabei. und grüße mit heilvollen Gedanken aus'm Waldnachmittag

 Palytarol meinte dazu am 10.10.21:
(:

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.10.21:
Hallo Paly, ich habe die meisten deiner Kommentare bisher als spielerisch empfunden. Das hat mir gefallen. Diesen Kommentar halte ich für engagiert und das gefällt mir auch. Ich hoffe sehr, dass das nicht als Schmeichelei rüberkommt.
Deine Kritik am schnellen Holz akzeptiere ich mit wachsamem Holzauge.

 TassoTuwas (10.10.21)
Hallo Ekki,
mit 2. sprichst du mir aus dem Herzen, wo doch einige meinen, es braucht für alles noch mehr Vorschriften!
Herzliche Grüße
TT

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 11.10.21:
Merci, Tasso. Ja, es ist ein kleines Wunder zu sehen, wie sich der Urwald ohne menschlichen Eingriff selbst ordnet und erhält.
Herzliche Grüße
Ekki
Tod (56)
(10.10.21)
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 Palytarol meinte dazu am 10.10.21:
Wir sollten vom Quer- langsam wieder zum Schrägdenken übergehen.
Ist allemal unterhaltsamer...
Fürs Grundgesetz!
Tod (56) meinte dazu am 10.10.21:
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.10.21:
Merci, Tod und Paly, ich fühle mich durch eure Kommentare gut unterhalten. Wie schön, dass es unter dem biederen Thema "Wald" geistreich wird.

 AvaLiam (10.10.21)
Lieber Freund,
wie recht du hast!

Ich war nach langer Zeit mal wieder da - da, wo Wald war - und es gab ein trauriges Bild ab, was ich da sah.
Fichtensterben.
Dürre und Borkenkäfer, gesunkener Grundwasserspiegel.
Und wir leben jeden Tag, als hätten wir noch eine weitere Erde.

Dabei geben Bäume soviel Kraft - sie zu umarmen kommt der Schulter eines tröstendes Freundes gleich.
Auf der Erde zu liegen - sich zu erden - und sie zu fühlen unter der Hand, sie zu riechen. Unbezahlbar.

Die Ordnung im Urwald allerdings zweifel ich etwas an .
Wobei auch das gelebte Chaos eine Form von Ordnung sein kann - habe ich gehört.

Liebe Grüße
Ava

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 11.10.21:
Grazie, liebe Freundin,
du pflegst den rechten sinnlichen Umgang mit dem Wald. So will er behandelt werden, damit er seine heilenden Kräfte freisetzt.
Herzliche Grüße
Ekki

 GastIltis (11.10.21)
Lieber Ekki,
was soll ich tun? Noch einmal auf mein Gedicht „Wer nur den Wald aufschreibt“ (und nicht die Bäume) vom 29.1 2019 hinweisen? Du warst zum Glück auch unter den Kommentatoren!
Sei herzlich gegrüßt von Gil.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 11.10.21:
Vielen Dank, Gil, wieder ein Beispiel dafür, wie viel uns verbindet.
Herzliche Grüße
Ekki

 TrekanBelluvitsh (14.10.21)
Mir gefällt 4. am besten. Denn wenn etwas nur Wert hat, weil man es romantisch verklärt, hat es in Wahrheit gar keinen Wert.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 14.10.21:
Merci für die klare Begründung, Trekan.
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