Besuch.

Sonett zum Thema Krieg/Krieger

von  Walther

Besuch.

Der Krieg kriecht durch die kleinste Fensterritze.
Auch unterm Türblatt schlüpft er durch und schleicht
Sich dahin, wo ich gerne mit mir sitze.
Er hat mir sogar seine Hand gereicht!

Sie sind so kalt, die bleichen Fingerknochen.
Mich hat’s geschaudert. Ich bin sehr erschrocken.
Ich sollte mir was Warmes, Gutes kochen.
Vielleicht tut’s eine zweite Lage Socken.

Er spricht nicht, hört nicht, sitzt nur knöchern da.
Ihn wegzuschicken, das gelingt nicht. Taub
Und stumm schaut er mich an, ist furchtbar nah.
Ich hab ihn nicht gerufen, mit Verlaub!

Ich sehe ihn mir an. So ein Skelett
Wär schöner anzusehn, wär es komplett.



Anmerkung von Walther:

Englisches Sonnet.

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Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (28.09.22, 17:27)
Ein befremdlicher, durch und durch unwillkommener Gast, dessen Wirkung Du eindringlich geschildert hast.

 Walther meinte dazu am 28.09.22 um 18:05:
Hi,
in der tat. er sitzt am tisch und ist teil der unterhaltung, obschon ihn jeder zum teufel wünschte.
lg W.

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  TassoTuwas  AZU20  franky  Graeculus
der dichter dankt!
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