Früher ging ich zum Frisör, wenn die Chefin es zu Hause mehrfach angemahnt und ich dann endlich mal Zeit hatte. Keine Terminabsprache für den mit viel Neon ausgeleuchteten Salon, wo sechs Paar flinke Hände Frauen und Männer wieder präsentabel machten. Vor allem Frauen.
Völlig klar, dass man warten musste. Und weil beim Frisör dieser Luxus inbegriffen war – warten und im Duft der Shampoos und Haarsprays mal entspannen, lagen da auch immer Zeitschriften aus. Nicht immer die aktuellsten, und auch selten die seriösen – Spiegel oder Christ und Welt - nein, es waren eher bunte Blätter wie zum Beispiel Die Bunte, Gala oder die Neue Illustrierte. Für die Kinder bot der Salon Fix&Foxi.
Ich habe im Kreise meiner Bekannten vor ein paar Tagen diese schönen Erinnerungen angesprochen und als kleinen Gag angefügt, dass mein Vergnügen damals beim Frisör die „Brigitte“ war. Die fand ich als rollenverhafteter Mann geradezu spannend. Nicht den Modeteil, nicht die Make-Up-Tipps, sondern die Abteilung „Lebenshilfe“. Da fand ich „Brigitte“ total stark.
Zur Not, so erzählte ich der Runde weiter - auch wieder Augen kniepend – hätte ich auch schon mal zur „Freundin“ gegriffen. Die wäre auch gut gemacht, aber nicht so dicht an den Frauenproblemen gewesen, befand ich.
„Typische Männerzeitschriften, die kriegst du nur beim Urologen“, hielt dem mein Freund Uli, entgegen. „Da lese ich immer Elf Freunde oder Auto-Motor-Sport.“ Uli ist 82.
Die Frauen in der Runde mussten meinen Rückblick in die guten alten Frisörzeiten natürlich auch kommentieren. Tenor: Diese Zeitschriften seien damals sehr wohl meinungsbildend gewesen, durchaus hilfreich im Sinne von Aufklärung, gerade zu den damals noch gar nicht so „frei“ besprochenen Themen. Aber, da waren sich alle einig - die Zeit dieser so inspirierenden Blätter sei wohl vorbei.
Die älteste in der Runde überraschte uns alle dann mit „Jasmin“. Die habe es oft in ihrem Elternhaus gegeben, erzählte sie, aber mit einem versiegelten Innenteil, also speziell zusammengehefteten Seiten, die dann nur von Erwachsenen geöffnet werden durften. „Da ging es auch um Aufklärung, um Sex und all das, was Kinder und Jugendlichen alles nicht wissen durften!“
„Bis Dr. Sommer und die Bravo kamen“, lachte eine andere. „Damit wurde dann alles nachgeholt.“
„Nicht bei mir“, hielt ich dem entgegen. Und als alle mich halb mitleidig, halb ungläubig anschauten, fügte ich spaßeshalber an: „Zu Hause habe ich natürlich nur Readers Digest gelesen.“