Die heimliche Rechnung

Gedicht zum Thema Beobachtungen

von  Saira

Sie lobt und zieht zum nächsten fort,
doch lässt sie dort kein einzig Wort.
Sie setzt ein Herz, sie setzt den Stern
und hätte beides selber gern.

 

Sie geht von Text zu Text geschwind
und hofft, dass alle dankbar sind.
Sie hält den neuen Text bereit
und wählt zum Lob die rechte Zeit.

 

Nun stellt sie ihren Text ins Licht
und hofft, dass mancher ihn bespricht.
Sie schaut, wer ihr ein Sternchen gibt
und ob man ihre Zeilen liebt.

 

Was großzügig und freundlich scheint,
ist oft mit Eigennutz vereint.
Der Stern, der ohne Worte fällt,
wird still als Vorschuss mitgezählt.

 

Ein Lob, das ehrlich ist, bleibt frei,
kein Wunsch nach Dank ist je dabei.
Doch wird ein Lob zur stillen Pflicht,
verliert die Geste ihr Gesicht.

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026




Anmerkung von Saira:

Ein Sternchen oder eine Favorisierung kann durchaus ein ehrliches Lob sein, auch ohne begleitende Worte.
 
Interessant wird es allerdings, wenn solche Zeichen der Anerkennung auffällig oft unmittelbar vor der Veröffentlichung eines eigenen Textes auftauchen und dabei fast ausnahmslos ohne ein persönliches Wort bleiben.  

Hinweis: Der Verfasser wünscht generell keine Kommentare von niemand, Citronella, Moppel, Verlo und Otto.

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