Ob es notwendige Ruhe ist, die ich mir hier in Giulianova auferlege oder eher das Hotel zur langen Dämmerung, von dem Hannes Wader einst schon sang, kann ich nicht sagen, es mag beides ein wenig sein. Fakt ist jedoch, mein Rest an Kraft trägt mich heute keinen chilometro weit. Ich bleibe wo ich bin und verlängerte demgemäß bereits meinen Aufenthalt hier um eine weitere Nacht. Außerdem verursacht mein Fuß erneut außerordentliche Schmerzen, ich kann es nicht leugnen. Heute werde ich selbigen noch einmal mit der Reiseapotheke verarzten und sollte das nicht helfen, werde ich wohl demnächst jemanden aufsuchen müssen.
Bis nach Città Sant'Angelo sind es noch gut 50 Kilometer, der Anstieg dorthin scheint jedoch, von der Adriatischen Küste herkommend, äußerst knackig zu sein mit über 10 Prozent Steigung und bis das auf eine Höhe von über 250 Metern. Demgemäß plane ich auch morgen einen weiteren Zwischenstopp in Silvi Marina an der Küste ein, kurz bevor es in die Hügellandschaft der Abruzzen geht. In Grottammare hatte ich bereits die ersten Erfahrungen mit der Befürchtung gemacht, dass mein Rad samt Gepäck derart schwer sei, dass es beim Nachlassen meiner Kräfte eher wieder bergab rollte, als dass ich es noch voranbrächte. Vielleicht nur ein Hirngespinst, aber eines das sich wacker hält.
Insgeheim hoffe ich, auch für diesen Tag und die kommende Nacht, alleine in diesem Dreibettzimmer des Hostels zu bleiben, denn ich habe mich in alle erdenklichen Ecken ausgebreitet. Hier der Laptop am Schreibtisch, dort der schwere Ebike-Akku in der Steckdose, andernorts Taschen und die Big 3 (Schlafsack, Isomatte, Zelt ist noch am Fahrrad). Außerdem will das Mobiltelefon geladen werden. Daneben Kleinigkeiten wie Wundspray und Mollbinden, Handtuch, Kleidung, etc.
Die Herberge - von der wir sprechen - liegt auf dem Gelände des historischen Monastero Santo Volto (Kloster des Heiligen Antlitzes). Einstmals als Schenkung einer adeligen italienischen Familie (Fam. Mancini) an den Benediktinerorden übergeben, war das Areal lange Zeit religiöse Bildungs- und Betreuungsstätte für Jugendliche. Mittlerweile wird das Gebäude gemeinschaftlich genutzt, also Herberge einerseits und Kloster andererseits.
Später werde ich wahrscheinlich das Stadtzentrum besuchen, vielleicht sogar den Strand, bis dahin hülle ich mich in Schweigen und mache noch einmal ein Nickerchen.
Ob ich im Schlaf wohl rede?
A presto.