Der bemitleidete Gott

Groteske zum Thema Gott

von  loslosch

Fatali lege tenemur (Ovid, 43 v. Chr. bis ~17 n. Chr.; Metamorphoses). Durch ein schicksalhaftes Gesetz sind wir gebunden.

Hier wehklagt Apoll (Gott der Heilkunst und der Künste). Die Römer, wie zuvor die Griechen, waren absolute Spezialisten i. S. Götterhimmel. Monotheistische Religionen fanden und finden, dezent versteckt, Verachtung für solch spießiges theologisches Herangehen. In dieser Sentenz spricht Ovid einen Gedanken an, der über den polytheistischen Ansatz hinausweisen könnte. Nicht nur Götter, die beklagen, dass sie nie sterben können. Zu Ende gedacht: Warum soll nicht auch der allmächtige und ewige Gott wehklagen? "Ich bin dazu bestimmt (verdammt?), auf ewig zu sein." Das armselige Menschenkind versetzt sich (anmaßend) in jenes höhere Wesen hinein. Gott, mit menschlichen Augen betrachtet, wird bestaunt wie auch bemitleidet. Das Bestaunen geschieht ständig in den Ein-Gott-Religionen. Nur das Bemitleiden fehlt. Die Römer waren weiter: Compassion mit der Gottheit.

Kommentare zu diesem Text

Graeculus (69)
(27.12.15)
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 loslosch meinte dazu am 27.12.15:
ja, nun ist der seltene vogel da.

 loslosch antwortete darauf am 27.12.15:
gott trauert nicht um eine komponente der dreifaltigkeit, dreieinigkeit.
Graeculus (69) schrieb daraufhin am 27.12.15:
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 TrekanBelluvitsh (27.12.15)
Wenn das die Welt ist, die Gott erschaffen hat, hätte er/sie/es noch wesentlich mehr verdient.

 loslosch äußerte darauf am 27.12.15:
die position des glaubensfesten, der die römer belächelt. jesus am kreuz: ... warum hast du mich verlassen? (ein wahrer gott UND wahrer mensch durfte das sagen.)

 TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 27.12.15:
Aber ist der christliche Gott nicht in der Dreifaltigkeit existent? Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wenn Jesus nun zürnt Warum hast du mich verlassen könnte man paranoide Schizophrenie diagnostizieren. Denn wer der Meinung ist, er könne sich selbst verlassen, auch nur zu einem Drittel, der hat ein echtes Problem...

 loslosch meinte dazu am 29.12.15:
ignatius von loyola verweist hier auf das sacrificium intellectus.

 TrekanBelluvitsh meinte dazu am 30.12.15:
Was für eine Freude für die Schizophrenen. Demnächst können sie sagen: "Ich habe sacrificum intellectus." Obwohl ich fürchte, dass unsere Gesellschaft nur Krankheiten akzeptiert, die man sehen kann.

 niemand (27.12.15)
Gott, mit menschlichen Augen betrachtet, wird bestaunt wie auch bemitleidet.

... nicht nur, von so manchem wird seine Existenz sogar angezweifelt. Wieder solch eine Betrachtung durchs "menschliche Auge", oder besser gesagt durch die menschliche Denkfähigkeit. Auf die Idee, der Mensch könnte sich dabei durchaus irren, kommt das menschliche Wesen ja erst garnicht. LG Irene

 loslosch meinte dazu am 28.12.15:
ich gestatte mir ebenfalls den luxus des zweifels! lo

 niemand meinte dazu am 28.12.15:
Ich sage immer, der Zweifel ist nicht schlechtes, aber man sollte diesen auch im Bezug auf sich selber praktizieren.

 Kleist (26.01.16)
Ich bin mal auf einen ähnlichen Gedanken gekommen. Da hatte ich ein christliches Internetvideo gesehen, in dem gesagt wurde, Gott könne alles schaffen - nur keine logische Unmöglichkeit.

Armer allmächtiger Gott - gebunden an das Gesetz der Logik!
Graeculus (69) meinte dazu am 26.01.16:
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 loslosch meinte dazu am 26.01.16:
@gronkor: die theodizee ist so ein kuriosum: gott sei allwissend, allmächtig, allgütig.

@graecu: schon AD hatte eine vorstellung vom wolpertinger.

 Kleist meinte dazu am 01.03.16:
@Graeculus: Ein dreieckiges Quadrat und was das sein soll? Ich bin mir sicher, Maurits C. Escher hätte eine erstklassige Zeichnung davon anfertigen können!

Und @Loslosch: Was meinst Du jetzt mit der Theodizee? Einfach dass sie ein Beispiel ist, in dem die Logik mächtiger ist als Gott?
... mächtiger als ein vorgestellter Gott, würde ich sagen.
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