Ideal

Sonett zum Thema Zukunft

von  Ralf_Renkking

Den Frühstückstisch verstellen volle Kaffeekannen,
den Raum erfüllen stetig Frau und Mann,
Gebete hier und da entspannen,
sie gehen dem Genuss voran,
um das zu bannen,
was wie im Traum verrann,
Besteck,- und Tassenklappern löst den Bann.

Gesüßte Wünsche, die den Tag bemannen,
erleichtern kleine Pleiten, Pech und Pannen;
wer mittags an Problemen sann,
begann,
wie alle, die an ihnen vorher sannen,
sie zu vergessen. Er gibt alles dran,
und leise rollt der Abend so von dannen.

Das Leben stellt sich hinten an,
die Pflegekräfte lassen nun das Wasser aus den Wannen,
ein letztes Mal entnehmen sie die bettgerechten Pfannen,
denn damit abgerechnet werden kann,
zählt nur Geschäftigkeit sodann,
und irgendwann
ertönen Rabenlaute wie aus fernen Tannen.


Anmerkung von Ralf_Renkking:

Eineinhalbfaches Sonett mit Madrigalcharakter.

Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (24.11.19)
Ähnlich der sog. Scheinselbständigkeit existiert eine Scheinidylle.- Ist man Mitarbeiter einer staatlichen Drückerkolonne, heißt es "Scheine machen",

weiß
der8.

 Ralf_Renkking meinte dazu am 24.11.19:
Mein lieber Zwerg,

"Staatliche Drückerkolonne", widerspricht sich das nicht? Ich meine, dass mir seit 2015 zwar jede Menge entgangen ist, aber ich kann mir einerseits nur schwer vorstellen, dass diese Art der Versklavung mittlerweile legal sein sollte, andererseits aber habe ich mir ehrlich gesagt auch mindestens eben so lange schon keine Gedanken mehr über die Seriosität unseres Staates gemacht, und ich würde Dir zumindest die Behauptung abnehmen, dass unsere sogenannte Demokratie längst fest in privaten Händen liegt.

Ciao, Frank

 EkkehartMittelberg (24.11.19)
Das Beste an diesem Sonett sind für mich die originellen Reime. Es nimmt eine "idyllische" Zukunft voraus, die fast jeden irgendwann reglementiert
Servus
Ekki

 Ralf_Renkking antwortete darauf am 24.11.19:
Danke, Ekki,

selbstverständlich ist dieses Idyll überhaupt keines, denn trotz der verdreifachten Glückszahl sieben bleiben es noch "satanische Verse", und letztendlich sind es doch die Raben, wie bspw. Moritz aus "Pleiten, Pech und Pannen", die unserer Zukunft den Kampf ansagen.

Ciao, Frank
Stelzie (55)
(25.11.19)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Ralf_Renkking schrieb daraufhin am 25.11.19:
Hallo Kerstin,

danke für Deine Empfehlung, besonders aber für den Kommentar, denn mit Deiner Einschätzung liegst Du richtig, auch wenn dieses Gedicht nicht vom Klinikalltag, sondern von dem in einem Altersheim handeln soll, mit den Bettpfannen und Badewannen habe ich wohl etwas gemogelt, denn das konnte ich damals nicht so recht beurteilen, die Sterberate jedoch schon.

Ciao, Frank

P.S.: Die Definitionen über Madrigale sind sehr uneinheitlich. eine der besten liefert noch Wolfgang Kayser in "Kleine deutsche Versschule", 18. Auflage 1977, S. 55 - 56, mein Credo geht natürlich wieder dahin, dass alles erlaubt ist, solange die Verse halt eine unterschiedliche Länge, allerdings auch eine in sich geschlossene Metrik aufweisen, d. h., dass ich auch Madrigale (und Sonette sowieso) schreibe, die sich überhaupt nicht reimen. Auch die Länge der Strophen ist mir im Allgemeinen pupsegal :D
Intuitiv breche ich ja schon lange mit den klassischen Gepflogenheiten in der Lyrik, so langsam wird mir aber auch klar, warum das geschieht, denn eine Kombination aus Klassik und Moderne dürfte durchaus dazu führen, das Feld der Lyrik neu zu definieren, weiter zu beleben und zu entwickeln, und wie ich bereits schon öfter erwähnte: "Ich habe gar kein Auto."
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram