Die Pascalsche Wette in einer verbesserten Version

Essay zum Thema Glaube

von  Bluebird

Der berühmte Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal (1623-1662) bot seinen Zeitgenossen folgende Überlegung bezüglich Gott und eines biblisch versprochenen ewigen Lebens an:
1. Es gibt Gott nicht und man glaubt nicht an ihn = Man hätte nichts gewonnen und nichts verloren
2. Es gibt Gott nicht und man glaubt an ihn = man hätte nichts gewonnen und nichts verloren
3. Es gibt Gott und man glaubt an ihn nicht = man hätte hat alles verloren
4. Es gibt Gott und man glaubt an ihn = man hätte alles gewonnen

Schlussfolgerung:
An Gott zu glauben ist sinnvoll, da man nichts zu verlieren und  eine 50% Chance auf ein ewiges Leben hat.
Dies wird gerne allgemein als "Pascalsche Wette" bezeichnet 1
Ich denke, dass diese "Wette" einer Präzisierung bedarf. Wenn ich im Folgenden von Gott rede, dann soll der biblisch-christliche Gott gemeint sein. Gehen wir also die vier Punkte noch einmal gemeinsam durch:
1. Es gibt  Gott nicht und man glaubt nicht an ihn
In diesem Falle hätte man eigentlich alles richtig gemacht, denn man hätte sich nicht mit einer Illusion abgemüht die nur den Blick auf die Wirklichkeit verstellt hätte = diesseitiger Gewinn

2. Gott existiert nicht und man glaubt an ihn
In diesem Falle hätte man sein diesseitiges Leben einer Illusion geopfert und erhielte dafür auch im Jenseits kein ewiges Leben = diesseitiger Verlust

3. Gott existiert und man glaubt nicht an ihn
In diesem Falle hätte man diesseitig ein – spirituell gesehen – falsches Leben geführt und würde auch das mögliche ewige Leben versäumen = diesseitiger und jenseitiger Verlust

4.  Gott existiert und man glaubt an ihn
Man hätte im Diesseits spirituell richtig gelegen, würde ein Leben unter seiner Regie (und Schutz) führen und erhielte  danach das ewige Leben = diesseitiger und jenseitiger Gewinn. Man hätte alles richtig gemacht!

Nun höre ich aber die Skeptiker schon sagen: „Ich soll blind an einen Gott glauben und seine Regeln befolgen in Hoffnung auf ein ewiges Leben, dass es möglicherweise gar nicht gibt? Nein, das ist mir zu vage! Da bleibe ich doch lieber bei Variante 1 und lebe mein diesseitiges Leben, so gut es geht … und wenn es Ihn doch geben sollte, so habe ich halt Pech gehabt!“
    Ehrlich gesagt ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke, der aber aus meiner Sicht auf einem Denkfehler beruht: Denn der christliche Glaube – ist biblisch gesehen – kein blinder Glaube. Sondern einer, wo Er - nach meiner persönlichen Überzeugung und Erfahrung - einem im Diesseits schon Gewissheit bezüglich seiner Existenz schenkt.

Wäre es nicht sinnvoll,  sich diesem möglicherweise existierenden Gott zu öffnen und Ihn – in geziemender Weise – auf die Probe zu stellen. Im christlichen Jargon gesprochen: sich Ihm zu nähern?
    Wenn man dann am Ende eines solchen Prozesses feststellen würde, dass da nichts passiert, könnte man die Sache dann ja immer noch abhaken.
    „Wer sich  Gott naht, dem naht sich Gott“ schreibt Jakobus 2. Ich bin felsenfest überzeugt davon, dass diese Verheissung auch heute noch gilt. Aber etwas Geduld sollte man schon aufbringen.

Illustration zum Text
(von Bluebird)

Anmerkung von Bluebird:


1 hier
2 Jakobus 4,8

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Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (16.09.21)
Vor 100 Jahren ist Stanislaw Lem geboren. (Er soll einen IQ von 180 gehabt haben, habe ich in einem Gedenkartikel gelesen.)

Vor 50 Jahren hat er mit "Non serviam" in seinem Buch "Die vollkommene Leere" eine logische Widerlegung der Pascal'schen Wette veröffentlicht.

Ob sich das in weiteren 50 Jahren herumgesprochen haben wird?

 Bluebird meinte dazu am 16.09.21:
Auch ein Mensch mit IQ von 180 kann den allergrößten "logischen Unsinn" erzählen, wenn er falsche Prämissen setzt
Denn Logik funktioniert nun mal eben nur in einem Bezugsrahmen mit bestimmten Prämissen

Aber du kannst ja gerne mal ein paar seiner Kern-Thesen vorstellen, so dass man darüber diskutieren kann

Antwort geändert am 16.09.2021 um 12:26 Uhr

 Graeculus antwortete darauf am 16.09.21:
Natürlich soll man auch einem Menschen mit IQ 180 nicht blind vertrauen, und Lem hätte das gewiß auch nicht erwartet.

Pascals Wette hast Du ja schonmal erwähnt, und meiner Erinnerung nach bin ich bereits damals auf Lems Argumentation eingegangen. Ich kann mich irren. Hast Du noch die Übersicht?

 Graeculus schrieb daraufhin am 16.09.21:
Flott gesagt (unter Zeitdruck):
- Pascal geht von einer zweiwertigen Logik aus: Gott existiert oder existiert nicht; andere Möglichkeiten bleiben unbedacht.
- Pascal geht davon aus, daß Gott (wenn er existiert) gut, ehrlich, zuverlässig usw. ist.

Das sind zwei problematische Prämissen - bei Pascal, nicht bei Lem.

 Bluebird äußerte darauf am 16.09.21:
Ich kann mich an keine "Übersicht" erinnern

Zu Punkt 1
Der biblische Gott kann eigentlich nur existieren oder nicht-existieren

Zu Punkt 2
Wenn Pascal und auch ich von der der Annahme "Gott existiert oder nicht" im Text rede, so meinen wir natürlich den biblischen Gott mit den ihm zugeschriebenen Eigenschaften und gegebenen Versprechen
Wenn Gott sich grundlegend anders verhielte als in der Bibel dargestellt, - oder überhaupt ein ganz anderer wäre - wäre die ganze Argumentation natürlich hinfällig

Antwort geändert am 16.09.2021 um 12:51 Uhr

 Graeculus ergänzte dazu am 16.09.21:
ad 2: Klar, die Argumenation wäre hinfällig. D.h. die Prämisse hängt in der Luft.
ad 1: Bevor Du Dich da festlegst, solltest Du Dich einmal über die von Lem angeführten anderen Möglichkeiten informieren, die auf einer mehrwertigen Logik basieren.

Ist die zweiwertige Logik ein christlicher Glaubensgrundsatz? Dann müßte man einen erheblichen Teil der klassischen christlichen Theologen (von Tertullian bis Nikolaus von Kues) eliminieren. "Credo quia absurdum" usw.
Nein, für mich ist das einfach eine zweite unreflektierte Prämisse von Pascal.

 Bluebird meinte dazu am 16.09.21:
Ich habe in meiner "verbesserten Version" ja ganz bewusst das ewige Leben ausdrücklich mit der Frage nach der Existenz Gottes verknüpft
Dieses "ewige Leben" für den Christusgläubigen ist das eindeutige Versprechen der Bibel, die göttliche garantierte Belohnung für Glauben und Treue

Unter den beiden Prämissen, dass
a) der biblische Gott existiert und
b) dem Christusgläubigen nach biologischen Ableben das ewige Leben gewährt wird

macht die Pascalsche Wette in meiner verbesserten Version - aus meiner Sicht -durchaus Sinn
Sie würde ihren praktischen Sinn verlieren, wenn der christliche Glaube eine unbedeutende Nebenreligion wäre, die sich in 2000 Jahren nicht durchgesetzt und lediglich eine Randerscheinung geblieben wäre
Warum sollte man sich mit einem (möglichen) Gott beschäftigen, der nicht in der Lage wäre sich in einem größeren Maße - sprich weltweit-durchzusetzen?
So aber geht man mit Ignorierung durchaus ein erhebliches Risiko ein, am ewigen Leben vorbeizugehen
Deshalb ja auch mein Vorschlag, dies - mittels ernsthafter Gottsuche - zu prüfen

p.s. Dass jemand uninterssiert einem ewigen Leben wäre, wenn es tatsächlich erlangbar wäre, kaufe ich so recht niemandem ab.

 Graeculus meinte dazu am 16.09.21:
Du meinst, daß jeder Mensch ewig leben möchte?
Das ist mehr als falsch!

Wobei ja eine wichtige Frage nicht einmal von Dir beantwortert werden kann: wie es nämlich aussieht, dieses ewigen Leben? So wie unseres jetzt? Oder ein Schlaraffenland? Oder wie die Moslems es sich vorstellen? Oder wie Dante? Werden wir liebe Menschen wiedersehen?

Auf was läßt sich jemand ein, der sie ein ewiges Leben wünscht?

Aber wie auch immer, mich stört schon das "ewig". Es gibt nichts, was ich ewig tun möchte.

 Graeculus meinte dazu am 16.09.21:
Aber leg Dich nicht auf die zweiwertige Logik fest in Deinem Glauben. Das ist eine Entweder-oder-Logik, und daß Christus Gott und zugleich Nicht-Gott (nämlich Mensch) ist, paßt da nicht hinein.

 Augustus meinte dazu am 16.09.21:
Ewiges Leben könnte so aussehen, dass man in der Nähe Gottes ist. Insofern es Gott geben sollte, ist er ewig. Da Gott ewig ist und nicht schon längst sich selbst zerstört hat, muss es etwas dort geben, das die Existenz fortlaufend sichert.
Als Gott sich auszulöschen zu wollen und nicht zu können, da ewig, widerspricht sich, weshalb nur 1 davon richtig sein kann. Ist Gott ewig, so existiert sich auslöschen zu wollen, nicht.
Dies bedeutet für den Menschen „ewige Leben“, er gelangt dort hin, wo Gott schon ist, und weil Gott ewig ist, kann es so schlecht nicht für den Menschen dort sein.
Vgl. auch Schillers Ballade „die Teilung der Erde“

Antwort geändert am 16.09.2021 um 17:55 Uhr

 Bluebird meinte dazu am 16.09.21:
Für mich ist entscheidend, dass
a) ich für mich eindeutige Schlüsselerfahrungen gemacht habe,
b) ich diese Erfahrungen im Einklang mit der Bibel sehe
c) andere Menschen meines Glaubens weltweit ähnliche Erfahrungen machen
d) sich für mich ein schlüssiges Gesamtbild ergibt

 Bluebird meinte dazu am 16.09.21:
Genau, Augustus, ein ewiges Leben in der Nähe Gottes kann so schlecht nicht sein. "In die Herrlichkeit Gottes eingehen" klingt doch sehr vielversprechend. Und es gibt ja auch Berichte von Menschen, die schon dort gewesen sein wollen:  90 Minuten im Himmel

 Graeculus meinte dazu am 16.09.21:
Klassische Weise und die Lebenserfahrung sagen, daß man mit seinen Wünschen sehr vorsichtig sein sollte (vor allem denen, die sehr vielversprechend klingen); sie könnten in Erfüllung gehen.
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