Ein sonderbarer Traum

Anekdote zum Thema Traum/ Träume

von  EkkehartMittelberg

Ich träume manchmal Abläufe, deren konsequente Handlung mich überrascht. In der letzten Nacht war es diese:

Meine Frau und ich machten eine Seereise auf einem Luxusliner, auf dem nur Milliardäre verkehrten. Zu den prunkvollen Dinners erschienen sie in exquisiter teurer Markenkleidung.

Unsere bescheidene Garderobe fiel dagegen für jeden erkennbar auf. Wir bemerkten, dass die versnobte Gesellschaft über uns herablassend tuschelte, als seien wir unberechtigter Weise in ihre Kreise eingedrungen.

Wir wurden von einem Butler bedient, der unsere bescheidene Art mochte. Er wies uns darauf hin, dass wir uns in der Kleiderkammer des Schiffs preiswert kostbar einkleiden und so die Spötter verwirren könnten.Wir waren auf deren Reaktion gespannt und gingen auf den Vorschlag ein.

Als wir in feinster Gala erschienen, waren die Snobs wie vorausgesehen konsterniert. Diese Wirkung steigerte sich noch, als ein besonders elegantes Paar uns einlud, mit ihnen an ihrem Tisch zu speisen. Sie wollten natürlich unsere Identität ergründen, aber wir hielten uns geschickt bedeckt, sodass ihre Neugier unbefriedigt blieb.

Aber das Beispiel dieser Gastgeber machte Schule und wir wurden von nun an an jedem Abend von einem anderen Paar eingeladen. Wir wichen neugierigen Fragen clever aus und die Ratlosigkeit darüber vergrößerte sich von Tag zu Tag, wer wir seien. Allmählich glaubte man, dass auch wir der Plutokratie angehörten und dass wir das anfängliche Auftreten in bescheidener Kleidung nur gespielt hatten. Hier brach der Traum ab. Im Wachzustand habe ich mich natürlich gefragt, weshalb ich von dieser luxuriösen Umgebung geträumt habe. Zugegeben, Seereisen haben mich immer gereizt, aber Luxus hat mir nie etwas bedeutet.

Meine Frau und ich haben unsere Hochzeitsreise auf einem alten griechischen Schiff Decksklasse unter freiem Himmel gemacht und diese Reise mit Bad im Mondschein beim Einschlafen und geküsst von der Morgensonne beim Aufwachen war wundervoll.



Kommentare zu diesem Text


 Fridolin (25.11.21, 02:03)
Auch wenn uns Luxus nichts bedeutet, haben wir alle doch auf mannigfache Weise darunter zu leiden. Entsprechend groß ist das Bedürfnis, sich dagegen zu wehren; wirkungsvolle Mittel sind aber schwer zu finden.
Mir fiel spontan ein Traum ein, der mir vor Jahrzehnten erzählt wurde: Ein etwas abgerissen gekleideter junger Mann steigt in einen 2CV, den er mit einem Porschemotor ausgestattet hat und amüsiert sich königlich über die verblüffte Umwelt, die er mit rasanten Ampelstarts hinter sich zurücklässt.
Warum habe ich diese Geschichte so gut im Gedächtnis behalten? ist im Prinzip das gleiche Thema.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 25.11.21 um 11:19:
Merci, Fridolin, ja, die Themen passen zusammen..
LG
Ekki

 Ralf_Renkking (25.11.21, 03:05)
Eine Köpenickiade gegen Snobismus, die mir ohne Rechtfertigung gegen Ende um einiges besser gefallen hätte.

Ciao, Frank

 EkkehartMittelberg antwortete darauf am 25.11.21 um 11:23:
Danke, Frank, ich sehe es eher so, dass dem Luxus etwas gegenübergestellt wird, was mit Geld nicht zu bezahlen ist.
LG
Ekki

 Pearl schrieb daraufhin am 25.11.21 um 12:11:
Hallo Ekki,

ich finde das Ende wunderschön. Dass du das erlebt hast, ist ein Geschenk. Es berührt mich!

Liebe Grüße, Pearl

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 25.11.21 um 19:22:
Grazie, Pearl, auch wir haben es damals  als Geschenk empfunden.
Liebe Grüße
Ekki

 Saira (25.11.21, 06:13)
Hallo Ekki,
 
deine Anekdote spiegelt den häufig anzutreffenden Hochmut der sogenannten „feinen“ Gesellschaft wider.

Ich erinnere mich an eine reiche Frau, der ich während eines Klinikaufenthaltes begegnet war. Ihr wurde das Portemonnaie gestohlen, was ihrem Leichtsinn zuzuschreiben war.  Sie hätte es in einen Safe verschließen können, was sie aber nicht tat. Sie hatte sofort zwei Personen als Täter im Visier. Beide waren nicht gut situiert, aber in meinen Augen anständige Menschen. Der Fall klärte sich nicht auf.
 
Liebe Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 25.11.21 um 11:27:
Merci, Sigi, dieser Snobismus hinterlässt einen faden Nachgeschmack wegen der Verdächtigung Unschuldiger..
Liebe Grüße
Ekki

 harzgebirgler (25.11.21, 07:18)
es gibt aber selbst milliardäre
für die solch snobismus nichts wäre
und unter snobs kaum verkehren
weil sie das eh nicht entbehren.

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 25.11.21 um 11:30:
Gracias, Henning. das stimmt, nicht alle Milliardäre sind Snobs.
LG
Ekki

 GastIltis (25.11.21, 12:44)
Hallo Ekki,

wie kontrovers doch Träume so sein können. Mein Traum der letzten Nacht spielte sich in einer Badewanne ab, in der ich wohl im Traum zwischenzeitlich eingeschlafen sein muss. Denn plötzlich entdeckte ich, dass das Wasser in Größenordnungen übergelaufen war. Es stand im Bad etwa fünfzehn Zentimeter hoch und musste demnach unsere ganze Wohnung überschwemmt haben. Dass mein Versuch scheiterte, das Bad noch mit den Händen auszuschöpfen, erwähne ich nur am Rande, weil ich danach echt erwachte. Als ich den Traum morgens am Telefon unserer Tochter mitteilte, lachte sie ganz laut und bemerkte: „Da könnt ihr aber froh sein, dass ihr jetzt eine Dusche* habt!“

Sei herzlich gegrüßt von Gil.

*nach der Rekonstruktion unserer Wohnung

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 25.11.21 um 19:12:
Merci Gil, was wären unsere Träume ohne solche geistreichen Reaktionen.
Herzliche Grüße
Ekki

 LottaManguetti (25.11.21, 13:04)
Dein Traum ist ganz schön im Irrtum, Ekki. Nach meiner Erfahrung sind gerade die "wirklich" Reichen total bodenständig. Dagegen benehmen sich Emporkömmlinge oftmals voll übertrieben divenhaft.
Na ja, Ausnahmen gibts sicher, aber u.a. ich habs oft so erleben dürfen.
Viele Grüße
Lotta

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 25.11.21 um 19:19:
Merci, Lotta, du hast recht. Aber wenn die sehr Reichen unter sich sind, entsteht wieder Konkurrenzdenken und sie meinen ihre Besonderheit hervorkehren zu müssen.
Liebe Grüße
Ekki

 wa Bash (25.11.21, 17:49)
ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich dies sagen darf, aber etwas scheint deinen Protagonisten in der Realität stark zu belasten, das Schiff zeigt Bewegung an und es wird klar darauf verwiesen, dass du über deine Verhältnisse lebst, dies kann auch körperlich gemeint sein. vllt sollte dein lyrisches Du besser den Tag genießen und sich in den Sonnenuntergang zurücklehnen und küssen, lautet zumindest die Quintessenz o. was der Träumer machen sollte... so weit so gut... interessanter dream...

 Moja meinte dazu am 25.11.21 um 18:39:
Lieber Ekki, Deine Geschichte gefällt mir sehr, Du und Deine Frau seid eben ein ganz besonderes Paar, das ist der wahre Luxus, die Klamotten sind nur Hülle, auf verblendete Milliardäre, die alle ähnlich ticken, seid Ihr auf geheimnisvolle Weise überaus vermögend, ein wunderbarer Traum!

Lieben Gruß,
Moja

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 25.11.21 um 19:45:
Merci, wa Bash, aber sicher darfst du das sagen. Vielleicht sollte der Träumer tatsächlich mehr den Tag genießen.
LG
Ekki

Moja: Grazie,  Moja, du bist sehr einfühlsam. Ich habe den Traum wirklich genossen.
Liebe Grüße
Ekki

 niemand (25.11.21, 18:40)
Wirklich Reiche tarnen sich . Nicht selten laufen welche wie Sozialhilfeempfänger herum.
Vielleicht um von sich und vom Reichtum abzulenken. Es gab schon Leute deren Konto
fast platzte, denen man aber, wenn man sie sah, gerne ein warmes Frühstück spendiert hätte .
Protzig benehmen sich Neureiche. Die wollen wahrscheinlich von ihrem früheren Armenstatus
nichts mehr wissen. Doch Reichtum ist letztendlich immer das, was man für einen solchen hält.
Mit lieben Grüßen, Irene :)

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 25.11.21 um 19:51:
Gracias, Irene, deine Unterscheidung zwiscchen Reichen und Neureichen ist treffend.
Die Beobachtungsfähigkeit von Träumern dürfte etwas genauer sein.  :)
Liebe Grüße
Ekki
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