Alzheimer. Versuch einer Annäherung

Gedankengedicht zum Thema Ausweglosigkeit/ Dilemma

von  EkkehartMittelberg

Erinnerungen tauchen auf
und fallen blitzartig
in das Dunkel zurück.

Verzweifelte, oft tarnende Versuche,
sie festzuhalten.
Doch eine große schwarze Hand
löscht sie wieder.

Du spürst
Kälte und Wärme,
selten etwas Schönes,
das du kaum fassen kannst,
meistens Ängste und Wut.

Wolltest jemandem etwas sagen,
so erschien es;
aber wem und was?
Sie ist übermächtig, die Finsternis,
und blind suchend
tappst du in ihr herum.

Oktober 2012




Kommentare zu diesem Text


 HerzDenker (07.01.22, 08:58)
Sehr eindringlicher Text!  
Ein Wortspiel: Als-Heimer - wehmütige Halberinnerungen an die HEIMATartige Zeit, als man sich noch an das Meiste gut erinnern konnte.

Kommentar geändert am 07.01.2022 um 08:59 Uhr

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 07.01.22 um 11:26:
Merci, HerzDenker dafür, dass du meiner falschen Schreibung "Alsheimer" Sinn unterstellt hast, der auch auf die korrigierte Fassung übertragbar ist.

 HerzDenker antwortete darauf am 07.01.22 um 15:44:
Gerne, werter Kollege!

 harzgebirgler (07.01.22, 09:39)
vom vergessen wird der kopf bedroht
dem gedächtnis stets stand zu gebot
was leider oft der preis des alters ist
bis der mensch sich selbst sogar vergisst.

ein berührender ein- & ausblick!

lg
henning

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 07.01.22 um 11:32:
Gracias, Henning, man kann sich kaum vorstellen, wie furchtbar dieses Vergessen auf unterschiedlichen Ebenen bis zur Auslöschung der Persönlichkeit sein muss.
LG
Ekki

 Jo-W. (07.01.22, 10:30)
ein wirklich schwieriges Thema-meine Schwägerin-gleich alt wie ich-hat mit mir immer die runden Geburtstage gefeiert,den 80. nicht mehr-ihr Mann mein Bruder,ist gestorben-nun ist sie im Pflegeheim mein Neffe informiert mich hin und wieder-ich fahre nicht mehr so weit,habe auch Angst vor der Begegnung,sie erkennt nicht mehr ihren Bruder-ich kann nur schwer darüber reden-tut dennoch gut,es mal einfach so auszusprechen-daher bin ich dir dankbar für den Mut zu diesem Thema-einen Morgengruß-Jo

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 07.01.22 um 11:36:
Gracias, Jo, deine empathische Reaktion zeugt von der großen Betroffenheit, die im Umfeld der Alzheimer betroffenen Menschen herrscht.

 AZU20 (07.01.22, 10:45)
Sehr gut beschrieben. Doch wenn man es bei Freunden kommen sieht, fehlen einem die Worte. LG

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 07.01.22 um 11:39:
Du hast recht, Armin, meistens hinterlässt diese Krankheit ratlose Sprachlosigkeit.
LG
Ekki

 Browiak (07.01.22, 11:48)
Ein tief an unsere Ängste gehender Text: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr erinnere, wer ich einst gewesen bin?
Meine Erfahrungen aus Seniorenheim und Geronto-Psychiatrie: Ein anderer. Aber einer, der das Leben durch Berührung, Bewegung, Geschmack, Hörsinn ... noch spüren kann. Für die Angehörigen scheint es, wie bei vielen Erkrankungen, die tief die Persönlichkeit verändern, fast schlimmer zu sein. Wie so oft, kommt es auf einen aktiven, zugewandten, liebevollen Umgang, und eine Umgebung an, die unterstützt und Alltagsfähigkeiten fördert ... und dabei kommen mir die Tränen, weil ich weiß: DAS können sich in unserem Land leider nur noch sehr Wohlhabende leisten und DAS finde ich schämenswert.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 07.01.22 um 16:18:
Liebe Gesine, sei herzlich bedankt für deinen empathischen Kommentar, der auf authentischen Erfahrungen fußt.
Liebe Grüße
Ekki

 Graeculus meinte dazu am 07.01.22 um 16:27:
Ein berührendes Gedicht von Ekkehart, das in meinem Fall - wie in so vielen - eigene Erlebnisse anspricht. Wir konnten meine Mutter noch wiedererkennen, auch wenn sie am Schluß sogar meinen Vater und mich verwechselt hat: Es hatt etwas mit ihrem Charakter zu tun und manchmal auch mit ihrer Art zu lachen oder zu schimpfen.
Schrecklich war die völlige Hilflosigkeit.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 07.01.22 um 17:28:
Merci, Graeculus,, das.mit dem Lachen interessiert mich sehr. Konnte deine Mutter nach ihrer Erkrankung noch lachen, weil sie bestimmte Situationen für komisch hielt.?

 Graeculus meinte dazu am 07.01.22 um 17:44:
Sie lachte, wenn sie freundlich sein wollte; der Gegensatz dazu - wenn etwas nicht nach ihrem Willen ging - war das Schimpfen.

 Dieter Wal (07.01.22, 12:21)
Wundervoll empathisch geschriebens Gedicht. Die von Matthias Brenner gespielte Figur Benito König in  "Club der roten Bänder" stellt so ergreifend wie humorvoll eine Alzheimer-Erkrankung dar.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 07.01.22 um 16:24:
Vielen Dank für den Hinweis auf den Film"Club der roten Bänder", den ich noch nicht kannte, Dieter.
Liebe Grüße
Ekki

 Dieter Wal meinte dazu am 07.01.22 um 17:14:
Es gibt die Filme auch auf DVD bzw. Blu-Ray Disc. Ich halte alle für  sehenswert.

 AchterZwerg (07.01.22, 17:57)
Zuweilen erscheinen Flecken aus Licht in der Finsternis.
Und die sind größer und schöner anzuschauen als so manches Gesamtprogramm ... 8-)
Das wollte ich dir, sinngemäß, schon zu deinem letzten Text schreiben!

Liebe Grüße
Piccola

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 07.01.22 um 18:07:
Vielen Dank, Piccola, solchen Nachrichten vertraue ich gern.

Liebe Grüße
Ekki

 TassoTuwas (07.01.22, 18:21)
Lieber Ekki,
eine intensives Bild, das schmerzhafte Erinnerungen weckt.
Aber wir stecken in dem Dilemma, dass die Lebensumstände uns ein immer länger währendes Leben ermöglichen, und dadurch die altersbedingten Krankheiten sich häufen!
Herzliche Grüße
TT

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 07.01.22 um 19:37:
Du hast leider recht, Tasso, Ich hoffe ja ein bisschen, dass wir auch durch unsere Tätigkeit hier den altersbedingten Krankheiten ein wenig entgegenwirken können.
Herzliche Grüße
Ekki

 Saira (10.01.22, 18:48)
Lieber Ekki,
 
dein Gedicht beschreibt nachvollziehbar - wenn auch nur als Ahnung! – die Gedanken eines Menschen, der an Alzheimer erkrankt ist.
 
Für mich ist es ein erschreckender Gedanke und löst bei mir Ängste aus, eventuell Betroffene zu sein. Niemand weiß, ob er nicht an einer Form von Demenz erkranken wird oder bereits erkrankt ist.
 
Ich selber erlebe den zunehmenden geistigen Verfall meines Schwiegervaters, der vor vielen Jahren an Alzheimer erkrankt ist, mit. Ich erlebte seine anfängliche Wut mit, weil er in seinem Gedächtnis nach Begebenheiten suchte und irgendwann nach Worten, die etwas ausdrücken sollten, aber ich erlebe auch seine inzwischen, nach außen getragene, Ruhe mit. Er hat, glaube ich, mit sich selber Frieden gefunden.
 
Das macht NICHTS an seiner Erkrankung besser, aber es tröstet seine Angehörigen und irgendwie wohl auch ihn selber.
 
Nachdenkliche Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 10.01.22 um 20:47:
Grazie, Sigi,
scheinbar erlaubt selbst diese schwere Krankheit einigen ihren Frieden mit sich selbst zu machen. Das wusste ich gar nicht. Ich finde es sehr tröstlich.
Herzliche Grüße
Ekki

 Agnete (21.01.22, 11:37)
ich kenne es von meiner Mutter, die ich 2 Jahre in Pflege hatte. Es ist schlimmer noch als dieser text, lieber Ekkehardt.  Nicht nur Fintser nis, sondern ein Verlorensein in der Finsternis.LG von Agnete

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 28.03.22 um 12:53:
Vielen Dank, Agnete, 

ich lerne gerne aus deinen Erfahrungen.

LG
Ekki
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