Was die Flut verwehte

Gedicht zum Thema Erinnerung

von  Saira

Das Meer vor mir lag graugetönt,
doch sah ich’s einst in Farben,
vergessen war die Einsamkeit
und auch die alten Narben.
Ich ließ mich treiben, schwerelos,
hinaus in helles Licht,
und glitt durch kalte Weite hin,
doch fand ich Wärme nicht.

 

Ich legte Wort auf Wort ins Meer,
sie sollten dort verbleiben,
und nichts vermochte, glaubte ich,
sie je zurückzutreiben.
Die Brandung sprach und sang zu mir,
ich fing sie für mich ein
und dachte, in der Tiefe dort
würd sie geborgen sein.

 

Es war ein Sturm, ein wilder Traum,
ein heißes Fühlen, Spüren,
und stark erwuchs in mir der Wunsch,
das Wasser zu berühren.

 

Aus meiner Welt der Fantasie
stieg schimmernd ein Verlangen,
die Sehnsucht war von Anfang an
im Schweigen tief gefangen.
Verschwommen war die Wirklichkeit,
wie Abendlicht in mir,
bedeckt von jenem Meeresbild
und meinem Drang zu ihr.

 

Das Meer vor mir lag graugetönt,
verglomm in fernen Farben.
Ein leiser Riss zog still herauf
zu meinen alten Narben.
Der Tag versank nun dämmernd sacht,
der Horizont ward weit,
ich schrieb den Namen in den Sand,
die Welle nahm sich Zeit.

 

Es war ein Sturm, ein wilder Traum,
ein heißes Fühlen, Spüren,
doch blieb der Wunsch nur Illusion,
das Meer einst zu berühren.

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Moppel (15.02.26, 14:15)
es kostet Mut, ins Wasser zu gehen, Saira. 
Tragende Poesie, Todessehnsucht und das mutlose Nicht zu Ende zu bringen.
Ich hätte diese starken zeilen mit "die Welle nahm sich Zeit" als Schluss genommen, denn die Sehnsucht danach, dass das zu Ende sein soll, was in den Narben pocht, zieht sich durch alle Zeilen bis zum Ende.
Das Ende kommt überraschend. Aber du willst es eben positiv enden lassen. Ist ja auch in Ordnung. ;)
Dann aber würde ich das Ende sprachlich stärker machen.
Packendes Gedicht... lG von M.
Der Wunsch war ja nicht Illusion, sondern die Erfüllung des Wunsches.

 AchterZwerg (15.02.26, 15:35)
Jeder liest ein Gedicht auf seine Weise. Und dies mit Fug und Recht!

Aus meiner Sicht handelt es sich hier allerdings nicht um einen angekündigten Freitod, sondern um das Gegenteil. Um Rückbesinnung, um Erinnerung an eine schöne, doch unerfüllt gebliebene Liebe.
Das sind oft die intensivsten, die ewigen, die, die man niemals vergisst.  <3
Zur Zeit online: