Spätestens nach diesem Ereignis mit der TT-Vereinsmeisterschaft war mein Vertrauen in die Menschheit erschüttert. Irgendetwas schien da grundsätzlich nicht zu stimmen. Ich schottete meine inneren Bereiche vor anderen ab, ließ niemanden da mehr tiefer hineinschauen. Ich verließ mich im Prinzip nur noch auf mich selber!
Eine weise Entscheidung? Mangels Alternative sah ich da gar keinen anderen Weg.
Die nächsten Jahre verliefen wirklich zunehmend chaotisch. Ich war mit mir und der Welt im Unreinen und konnte froh sein, dass es am Ende noch recht glimpflich ausgegangen war. Jedenfalls schrieb ich mich im Alter von 21 Jahren an der FH Düsseldorf zu einem Sozialpädagogikstudium ein. Würde sich jetzt alles zum Besseren wenden?
In jenen chaotischen Jahren hatte ich den Glauben an Gott total aus dem Blick verloren, aber es gab auch da einige schicksalhafte Momente, die mich aufmerken ließen. An den Zufall habe ich auch in jenen Jahren nicht so recht glauben können.
Aber ich nahm mir auch nicht die Zeit, um da mal eingehender drüber nachzudenken! Und so irrte ich halt weiter auf meinem Weg nach eigenem Gutdünken voran!
So wie in jener Nacht, als ich leicht angetrunken von Kettwig nach Hösel wanderte. Ich kam von jener Abifeier, an der ich eigentlich gar nicht hätte teilnehmen dürfen. Denn ich - einer der ehemals Schulbesten - war ja gar nicht zur Abiprüfung zugelassen worden. Aber natürlich wies man mir nicht die Tür.
Gegen 2 Uhr morgens - die Stimmung war geradezu ausgelassen gewesen - machte ich mich klammheimlich auf den Heimweg. Ich ging die dunkle Landstraße Richtung Unterilp entlang, tief in traurige Gedanken versunken. Das nicht bestandene Abitur war mir im Prinzip egal, aber wieso war alles so den Bach runtergegangen? Tief deprimiert setzte ich einen Schritt vor den anderen. Ich war müde und wollte eigentlich nur noch ins Bett. Aber zwei Drittel des Weges, vor allen Dingen der bergige Anstieg lag noch vor mir.
Plötzlich fuhr ein Wagen an mir vorbei und hielt abrupt. Die Beifahrertüre öffnete sich. Neugierig schaute ich in das Auto. Ein mittelalter Mann machte mir ein Zeichen, dass ich einsteigen solle. Ich war ziemlich perplex, stieg aber ein. Wortlos saßen wir nebeneinander, während es den Berg hochging. Oben angekommen sagte der Mann: "Ich muss jetzt nach links! Wohin musst du?" Ich zeigte nach rechts! So trennten sich dort unsere Wege.
Die Begegnung damals hatte wirklich etwas gefühlt Surreales. Der Mann war plötzlich in dunkler Stunde wie aus dem Nichts aufgetaucht und hatte mir im wahrsten Sinne des Wortes über den Berg geholfen. Wie ein von Gott geschickter rettender Engel! Oder war es vielleicht sogar einer gewesen?