Drei Fragen stehen mit mir auf der Waage, sie fragen nach meiner Größe und haben eine Decke mit Brandloch dabei

Tagebuch zum Thema Reisen

von  S4SCH4

Wieviel vom Gleichen kann man wie oft hören, sehen, fühlen, bevor es für einen verschwindet und nicht länger Gegenwart sein kann? Bis man sich selbst dagegen wendet und es ausmacht?

Wieviel Vorwürfe, getarnte, enttarnte und ausgeartete kann man auf sich nehmen, bevor eigene Vorurteile schließlich wahr werden? Bevor man aus ihnen schöpft und sich macht?

Wie oft kann man etwas sagen und erklären, bis man selber nicht mehr länger gewiss darüber ist? Bis man es Gewissheit ohne Gewissen wird?

 

Dies sind Fragen, die sich selbst schon eine Antwort liefern, indem sie wie ein Gliedermaßstab ausgebreitet werden und eine Angelegenheit finden. Ich brauche nicht einmal einen genauen Wert darauf abzulesen um die Antwort zu erahnen und zu spüren, etwas stellt sich ein. Da, wo das nicht passiert, gibt es wahrscheinlich auch keine, einen Maßstab dort auszulegen, wo ich eigentlich die Raumtemperatur zu messen wünsche, bringt rein gar nichts.

 

Wie lange kann ich dauern? Wie lange kann ich bleiben, ja, wie lange kann ich, ich sein, bevor alles wieder vorbei ist?

 

Der Maßstab hilft den Verlust zu beziffern, das was fehlt, unwiederbringlich fehlt, in etwas zu fassen, das den Verlust begrenzt, vielleicht, aber eher mit einem Rahmen für ein Bild aus vergangener Zeit, es ist kein begrenzen im Sinne von einem Einhalt.

 

Bilder werden vergessen, sie werden aus der Erinnerung heraus neugemalt, übermalt oder ganz verunstaltet. Willentlich wie unwillentlich, es ist alles dabei, die Palette der Möglichkeiten zu retuschieren, zu veredeln, zu pfuschen ist ellenlang, ebenso wie die Farbpalette mit der das Bild sich zu aller erst einmal macht. Der Künstler ist nicht länger nur ein Urheber, ein Schaffender, sondern er hebt es in alle Erdenklichkeiten und verschafft sich immer wieder einen neuen Blick auf etwas, das er meinte im Sinn zu haben.

 

Derlei Beschäftigung wird schnell Narzissmus, Egoismus oder Selbstoptimierungswahn und es darf die Frage erlaubt sein, was man eigentlich mitzuteilen habe …

 

Folgt auf diese Frage keine Antwort, gibt es häufig nichts dazu zu sagen, willentlich oder unwillentlich, wer hatte im Leben schon je etwas zu sagen, etwas, das dauerte und das auch nach einiger Zeit noch haltbar in einem lag und etwas, das vor allem auf Gehör oder Resonanz stoßen sollte?

 

Vergisst man nicht selbst, was zu sagen sei, vergessen es andere, nachdem es erhört wurde. Wir teilen uns das Vergessen und erinnern uns im Rahmen unserer Möglichkeiten, mit neuen Bildern und Bildern von Bildern von Bildern von …

 

Was ich hier erwarte, wird mir niemand erfüllen, es werden nur Träume werden, ich werde mir Zufluchtspunkte ausmalen, Kreise, die zu einem Punkt werden und die Welt wird sich daraus heraus zentrieren. Nicht ich werde es sein, dem ganze und vollmundige Versprechungen von einem trauten Heim gemacht werden, sondern jene Versprechen werden den Teil zu reaktivieren verstehen, der dieses von mir einfordert, weil er in einem Haufen Hundescheiße stehen musste, in Mist und Müll zu Hause war, weil er mehr Dreck sah und angeblich aß als er wollte, weil er Anstrengungen ohne Befriedigung unternahm; dies alles unter einer bleiernen Decke aus Trugschluss und Offenheit, die als Motiv einen Himmel aufgedruckt hat und ein großes Brandloch aufweist, in die das Licht für eine Sonne einfällt. Wendet man diese Decke kommen die Sterne zum Vorschein, der Mond und vieles mehr an Nachhimmel, das Brandloch hingegen zeigt die Zukunft des Universums, verschollen und unendlich in einem schwarzen Loch, das einst eine Sonne für belebte Planeten war.

 

Ich laufe ihr hinterher, dieser Idee, diesem hohlen Loch, füttere es, bemuttere es; und es strahlt, wenn es bei mir zu regnen beginnt und lacht sobald ich an ihm verzweifele. In diesen runden Rahmen passt kein Bild, nicht für etwas das länger als einen Tag währt, eine Eintagsfliege passte wohl hindurch, bliebe aber sehr wohl verschollen, gefressen von einem Loch, von einem Wurm, einem Ende ohne Anfang. Also nimmt man beides zusammen und spricht von einem losgelösten wie absichtslosen Augenblick, wundert sich über seine Blindheit und Dummheit, lacht über alles und weiß dabei von nichts.

 

Hier passieren mir keine Bilder, keine Erklärungen, keine Zukunft, es scheint eher ein Test zu sein, den ich durch meine Bilder und Erzählungen zu einem beschriebenen Versuch machen soll und dazu singen soll:

 

er war stets bemüht.



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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (18.10.26, 09:19)
Hallo Sascha,
die Decke mit Brandloch ist eine wunderbare Metapher. Ich wünsche dir, dass  du durch dieses öfter die Sonne siehst. 

LG
Ekki
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