Die Milch, das Bäuerchen, der Tod

Predigt zum Thema Wirklichkeit

von  LotharAtzert

Das Wichtigste im Leben ist der finale Tod. Weil ihn niemand umgehen kann und alle äußere Welt plötzlich aus ist. Weshalb sich kluge Menschen so früh, wie möglich, mit Körper, Rede und Geist darauf vorbereiten. Zum Beispiel durch Betrachtungen, - es folgt auf den Tag die Nacht, die wiederum dem Tag weicht, solange die Erde sich um die Sonne dreht. Säugetiermenschen atmen ein und aus und ein, wellenberg wellental, … da kann eigentlich der Tod nur mit dem Leben sich verwandeln. So wie jedes Jahr der Frühling wiederkehrt, indess ein halbes Jahr später der Herbst die Früchte einlagert für die Finalität.. Es ist eine Ordnung beim Kreisen um Lichtendes. Um Heideggerndes womöglich.

 

So dachte ich ungefähr, seit ich die erste Brustwarze in den Mund gestopft bekam und das Saugen instinktiv parasympathisch aufnahm, die Milch, das Bäuerchen am Ende beseligend. Und las bald darauf das tibetanische Totenbuch. Das erschien mir zielführender als lasergesteuerte Waffen gegen Lebende. Aber wie es immer wieder auch ist, ich mußte erst im Leben kläglich scheitern, als Sohn, Ehemann, Vater, Geschäftsmann, um auf Dzogchen – die Große Vollkommenheit - und den ehrenwerten Lehrer Namkhai Norbu zu stoßen, welche, zusammengefaßt nichts anderes lehren, als Rigpa, - die reine Präsenz ohne wenn und aber, dafür mit Regenbogengewand, ringförmig als Tigle (Mittelpunkt des Vayra, des Diamantzepters) aus fünf Elementen. Letztlich dh. ohne -end-, gibt’s nichts anderes zu tun als das Sein sein lassen, wie es ist – präsent sein, da haben lebenslängliche Sterblichkeiten keine Chance, es jemals dingfest, jemals verbrauchbar zu machen.

Und so habe ich heut, im Hier und Jetzt von Präsenz zu Präsenzrückkehrfolgen das Scheitern stets vor Augen, noch mehr im Herzen, während das allgute Sein im Regenbogenkörper davon unberührt bleibt.

Alles fügt sich vom Chaos nach der Ordnung zur Gestalt, sowie zur Gestalung der Anlage zur Eigenständigkeit, neuem Karma, in diesem, in jenem Rhythmus.

Doch der kurze Weg ist kürzer: „Das Sein, wo an sich nichts zu ordnen ist, sein lassen, wie es ist – so mal als transzendierende Möglichkeit in Betracht gezogen, wenig Schaden anzurichten“, meint unser orientalischer Gastschweiger Sungrab Gyatso Escarolus.



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Kommentare zu diesem Text


 Jack (15.05.26, 06:33)
Das wichtigste im Leben ist, dass ausgerechnet dieses Leben dein Leben ist, oder, mit einem Wort: Schicksal.

 DanceWith1Life meinte dazu am 15.05.26 um 12:06:
Sorry, Leben ist mehr als nur Schicksal, denn um ein Schicksal erleben zu können, muss die Möglichkeit dazu geschaffen sein. Wenn also etwas eine solche Möglichkeit aufs Tablett bringen konnte, was konnte es noch alles und wie viel haben wir/ich/du/er/sie/es, davon wahrgenommen verstanden umgesetzt zugelassen losgelassen aus dem Weg gegangen Erwartungen Grenzen und anderen Müll aus dem Weg geräumt, in die richtige Richtung geschau usw. Iukwim

 Jack antwortete darauf am 15.05.26 um 20:25:
Du unterwhelmst die Meaning von Schicksal. Deine Taten gehören auch zu deinem Schicksal.

 DanceWith1Life schrieb daraufhin am 15.05.26 um 23:13:
Meaning zu unterwhelmen ist meine Spezialität, am besten vorm Frühstück, also ich hab da Schränkevoll von, lauter maßgeschneiderte Einzelstücke, die mir alle nicht das sagen was sie sollten, vielleicht klickert es ja eines schönen Tages, man kann ja nie wissen.

Antwort geändert am 15.05.2026 um 23:14 Uhr

 Jack äußerte darauf am 16.05.26 um 01:31:
Das ist dein Schicksal.

 DanceWith1Life ergänzte dazu am 16.05.26 um 04:31:
Danke für den Aufkleber, aber ich komm auch ohne ganz gut zurecht.

 LotharAtzert meinte dazu am 16.05.26 um 09:38:
Leben ist mehr als nur Schicksal, denn um ein Schicksal erleben zu können, muss die Möglichkeit dazu geschaffen sein
Das ist eine recht seltsame weil quantitative Aussage. Selbst wenn Du nichts erlebst, ist es dein Schicksal, nichts zu erleben. Dann wirst Du aber vielleicht geschickt darin, Langeweile zu ertragen.

Antwort geändert am 16.05.2026 um 09:39 Uhr

 LotharAtzert meinte dazu am 16.05.26 um 16:30:
Schicksal kommt aus dem Niederländischen: Schicksel bedeutet Ansammlung. Und Sal - Salniter oder Salpeter ist salzig. Die Stadt Salzgitter weist auf ein Wort der geordneten Ansammlung: die Lauge wickelt sich erstarrend um ein unsichtbares Gitter und wird zum Diamant.
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