Das Vorurteil

Alltagsgedicht zum Thema Vorurteile

von  EkkehartMittelberg



Er glaubte, ohne Vorurteil zu sein

und fand bestätigt sich von Weisen,

Die frei davon die Welt bereisen,

Mit Vorurteilen schließe man sich ein.

 

Unsinn zum Beispiel, dass Zigeuner stehlen,

Wo sie doch so musikalisch sind,

Gesellig sind sie, weiß ein jedes Kind.

Die Vorurteile Wahrheit stets verfehlen.

 

Exotisch war die Frau, die ihn um Wasser bat,

Er ließ sie ohne Zögern ein,

Die teure Sonnenbrille auf dem Schrein.

 

Die Stimmung war dann etwas desolat.

Blitzschnell verschwunden war die Frau,

Die Sonnenbrille weg, das wusste er genau.

 

Anmerkung:

Wie alle gebildeten Menschen versuche ich, Vorurteile zu bekämpfen. Doch manchmal frage ich mich, ob sie nicht eine Schutzfunktion haben können, weil sie vielleicht zutreffen.

In der berühmten Kurzgeschichte “Jenö war mein Freund” von Wolfdietrich Schnurre freundet sich ein bürgerlicher Junge mit einem Zigeunerjungen an, den er nach Hause einlädt. Danach fehlen ihm einige wertgeschätzte Dinge. Sein Vater tröstet ihn mit dem Versprechen, dass Jenö sich für den Verlust revanchieren werde. So kommt es. Er kann die köstlichen Geschenke nach dem Besuch des Zigeunerlagers nicht vergessen.

Nach der Lektüre dieser Kurzgeschichte sagte ich mir, dass Zigeuner wahrscheinlich ein anderes Verhältnis zum Eigentum haben als bürgerliche Menschen.

Als die Zigeunerin bei mir schellte und um Wasser bat, habe ich instinktiv gehandelt und an Diebstahl nicht gedacht. Ich ließ sei ein, legte meine Sonnenbrille im Flur ab, um Wasser aus der Küche zu holen. Sie sollte im Flur warten. Als ich zurückkam, hatte sie sich sich in Luft aufgelöst und die Sonnenbrille war verschwunden.

 



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Kommentare zu diesem Text


 Juli (23.07.26, 18:19)
Vorurteile haben manchmal eine Schutzfunktion, dann nenn man sie Vorsicht. Es ist situations abhängig. Auch andere reisende Gruppen, wenden den Wassertrick an, der ist uralt. Wichtig ist, unbekannte nicht einzulassen, das Risiko ist hoch.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 23.07.26 um 18:25:
Merci, Juli, 
ich bin froh, dass ich mit der Hypothese von der Schutzfunktion nicht allein stehe.

 Regina (23.07.26, 21:20)
Wenn man sagt: "viele....." lässt man offen, dass einige sich anders verhalten. Wenn man sagt "alle.... stehlen", gibt man dem Einzelnen keine Chance. Das ist dann ein vernichtendes Vorurteil.

 EkkehartMittelberg antwortete darauf am 24.07.26 um 09:37:
Stimmt, Gina, durch die totale Generalisierung wird eine Aussage zum Vorurteil.

LG
Ekki

 Moppel (23.07.26, 21:48)
also bei mir kommt niemand in die Wohnung. Ein gesundes Misstrauen ist wohl angebracht.#
Vorurteile. Tja. Meist steckt ein Kern Wahrheit drin, Erfahurng. Auf alle zu projezieren ist vorurteil. Nicht gutm
, aber menchlich. Eben aus Misstrauen.
lG von M.

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 24.07.26 um 09:41:
So sehe ich es auch. Misstrauen ist eine verständliche Wurzel des Vorurteils.
LG
Ekki

 harzgebirgler (24.07.26, 10:59)
:) :)
"komm, zigan, komm, zigar, spiel mir was vor"
und ich leihe dir dann gern mein ohr
in der hoffnung dass ich's wiederkriege
weil ich dir sonst voll in' ohren liege... :D :D

lg
henning

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 24.07.26 um 11:39:
Typisch Henning,

für einen guten Witz allzeit bereit.

LG
Ekki

 DanceWith1Life (24.07.26, 15:25)
Vorurteil und Leichtgläubigkeit sind nur verschiedene Spielarten desselben Mangels an gesunder Wachsamkeit, lieber Ekki, und mit Intelligenter Einstellung hat das sehr wenig zu tun. Meiner zugegeben oft zu dick aufgetragenen Meinung nach.

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 24.07.26 um 17:26:
Hallo Verlo,
es kränkt dich hoffentlich nicht, dass wir einer Meinung sind. Macht mir ebenso viel Spaß wie begründeter Widerspruch. :)

 DanceWith1Life meinte dazu am 24.07.26 um 17:36:
Da wird sich Verlo aber freuen.
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