Literarisches Rätsel 18 Philosophen wissen mehr über die Liebe als Banausen denken

Ansprache zum Thema Betrachtung

von  EkkehartMittelberg

Im Jahre 380 vor Christus tauschen sich herausragende Persönlichkeiten Athens über die Vortrefflichkeit des Eros, also über göttliche und menschliche Liebe, bei einem Mahl aus.

Es ist faszinierend, dass sie die Liebe aus unterschiedlicher Perspektive sehen. Hier werden nur die wichtigsten Positionen erwähnt:

Nach der Darstellung des Phaidros fördert eine erotische Beziehung Tugend, weil der Liebende sich von seiner besten Seite zeigen will.

Pausanias unterscheidet zwischen gemeiner auf sexuelle Befriedigung abzielender Liebe und sublimer Erotik, die nach einem edlen Liebespartner sucht. Die Kugelmenschen sind männlich, weiblich oder zweigeschlechtliche androgynoi. Sie suchen im Liebesakt ihre andere Hälfte, um ihre Unvollständigkeit auszugleichen. Diesen Mythos erzählt Aristophanes. Die ganze Spannbreite der Liebe vom Genuss körperlicher Schönheit in der Jugend bis hin zur vollen Erfassung der Ethik seelischer Schönheit stellt Sokrates dar.

Am Schluss preist der angetrunkenen Staatsmann Alkibiades nicht direkt Eros, sondern die Vorzüge des selbstbeherrschten Philosophen Sokrates, den er liebt, aber trotz seiner Schönheit nicht verführen kann.

Liebe, Wahrheit der Erkenntnis und das Streben nach Schönheit bilden in diesem Dialog eine Trias.



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Kommentare zu diesem Text

Graeculus (76)
(19.04.25, 00:10)
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Graeculus (76) meinte dazu am 19.04.25 um 00:14:
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Graeculus (76) antwortete darauf am 19.04.25 um 00:19:
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 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 19.04.25 um 09:19:
Gracias, Graeculus, ich habe gehofft, dass du den Hinweis auf Diotima geben würdest, habe ihn also bewusst zurückgehalten. Es ehrt dich, dass du als Altphilologe von Hölderlins Liebe zu Diotima wusstest. Aber was weißt du nicht?
Mir wurde wieder bewusst, dass der Politiker Alkibiades trotz seiner Fehler ein großartiger Mensch gewesen sein muss. Es ist doch erstaunlich, dass er Sokrates, der hässlich wie ein Silen war, wegen seiner inneren Vorzüge liebte und öffentlich bekannte, dass ihm Sokrates sexuelle Liebe verweigerte.
Graeculus (76) äußerte darauf am 19.04.25 um 12:03:
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 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 19.04.25 um 13:57:
Ja, schillernd trifft es. Er war keineswegs seriös und nicht der, den man als guten Charakter bezeichnen könnte. Aber weil er Sokrates nicht als weltfremden Spinner verachtete, sorgte er für das faszinierende Beispiel einer Liaison zwischen Kapital und Geist, den ich freilich auch Alkibiades auch nicht absprechen möchte.
Graeculus (76) meinte dazu am 19.04.25 um 15:07:
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 19.04.25 um 18:34:
Ich freue mich immer auf den informativen "Schlagoberst", den du aufgrund deiner ungewöhnlichen Belesenheit bereithalten kannst.

 harzgebirgler (19.04.25, 11:29)
Hallo Ekki,
den wohl derbsten Kontrast zu Platons anspruchsvollem „Symposion“ stellt „Das Gastmahl des Trimalchio“ aus römischer Zeit dar:
„Eine Bande von Mitessern und Schmarotzern versammelt sich um den zu irrwitzigem Reichtum gelangten, freigelassenen Sklaven Trimalchio. An seiner Tafel öffnet eine Cloaca maxima ihre Schleusen: ein vulgärlateinischer Strom von Volks- und Gossensprache, artikulierend eine Welt ohne Götter, eine Zivilisation, die alle menschlichen Verhältnisse relativiert.“
 https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gastmahl_des_Trimalchio

Beste Grüße
Henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 19.04.25 um 11:51:
Hallo, Henning,
ich bin dir besonders dankbar, dass du an die treffende Satire des Petronius arbiter, des eleganten Zeugen zu Fragen des guten Geschmacks, der noch im Tode Nero verspottete, erinnerst. Da wird ein Gastmahl auf die Schippe genommen, das, die Protzerei Neureicher bloßstellend, unserer philosophiefernen Zeit viel näher liegt als das von mir beschriebene geistreiche Gastmahl in Athen.
Beste Grüße
Ekki
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