Mark Aurel: Rückblick auf mein Leben als Stoiker

Gedankengedicht zum Thema Betrachtung

von  EkkehartMittelberg

Der Markomannenkrieg zieht sich

und behaftet mit einer rätselhaften Krankheit

fühle ich mein Ende nahen.

Soll ich den Tod fürchten?


Bei meiner Geburt haben sich Grundstoffe verbunden,

bei meinem Ende lösen sie sich auf

und leben im Weltstoff, in der Weltseele weiter.

Ich bin nicht mehr als Alexander der Große oder sein Maultiertreiber;

denn auch für die gilt diese Erkenntnis.

Ich müsste den Tod fürchten,

wenn ich versäumt hätte zu leben.

Ich darf zurücklächeln, wenn der Tod mich anlächelt,

habe ich doch die kurze Zeitspanne meines Lebens genutzt,

um das Richtige zu tun und das Wahre zu sagen.


Es war schwer, die Einbildung zu bekämpfen,

die mich narren wollte

und wenn es mir gelang, dann wusste ich,

dass man mir weniger Böses angetan hatte,

als ich in schwachen Stunden glaubte.

Wir müssen darauf achten, unsere Seele schön zu halten,

sie nimmt die Farbe hässlicher Gedanken an, wenn wir sie zulassen.


Es wird so viel darüber philosophiert, ein glückliches Leben zu führen,

ein Ziel, das ganz nahe ist,

weil es in uns selbst, unserem Charakter und unserer Denkweise liegt.

Wir müssen lernen, uns selbst zu achten,

um nicht das Denken Anderer höher einzuschätzen als unsere eigene kritische Vernunft.

In unserer Schwäche lassen wir uns verletzen und wollen uns rächen.

Die beste Rache ist, nicht so wie derjenige zu sein, der uns gekränkt hat.

Das Schicksal wird uns immer wieder mit Dingen und Menschen zusammenführen,

die uns das Leben schwer machen.

Es wird leichter zu ertragen, wenn wir lernen, sie zu lieben.

Wir können fast alles ertragen, was das Schicksal uns aufbürdet.


Kritiklust vergällt uns die Lebensfreude,

dabei kritisieren wir in dem anderen oft unsere eigenen Fehler.

Durch Philosophie lernen wir auf den Grund der Dinge zu schauen

und das heilige Band zu erkennen, durch das wir mit einander verflochten sind.

Das Fremde verliert sich und das Verbindende wächst.

Aus allem zusammen ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, eine Vernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, sofern es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.“ (Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/mark-aurel/ )




Anmerkung von EkkehartMittelberg:

Dieses Gedicht fußt auf leicht veränderten Zitaten aus https://beruhmte-zitate.de/autoren/mark-aurel/

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Kommentare zu diesem Text

Graeculus (76)
(01.04.25, 00:10)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.25 um 00:35:
Das wusste ich nicht, Graeculus. Aber hätte ein wahrer Stoiker auf diese Immunisierung verzichtet?
Graeculus (76) antwortete darauf am 01.04.25 um 00:39:
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 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 01.04.25 um 09:11:
Du siehst die Droge nicht als Zensor, sondern als Philosoph, der im Sinne der Stoiker auf das Gemeinwohl bedacht ist.
Diese Sicht gefällt mir auch deshalb, weil Marc Aurel immer wieder selbstkritische Gedanken an sich selbst richtet.

 Jack (01.04.25, 01:11)
Ahnung keint mir, seit wievielen Jahrwievielten ich in seine Selbstbetrachtungen schaue, und verglichen mit meinem gewöhnlichen Lesestoff ist das Buch durchaus kurz. Dennoch lege ich es immer nach ein paar Seiten weg, und letztlich motiviert es nur, eigene Selbstbetrachtungen anzustellen, anstatt jene des Kaisers weiterzulesen. Bei Rochefoucauld bin ich nach einem kurzen Jahrwenigt schon gefühlt dreimal durch.

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 01.04.25 um 09:19:
Hallo Jack,

ich vermute, dass es auch der hintergründige Stil ist, mit dem Marc Aurel uns immer wieder lockt:
"„Im allgemeinen schadet das Böse der Welt nicht, und im einzelnen Falle schadet es nur dem, dem es vergönnt ist, sich frei davon zu machen, sobald er nur will.“

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/mark-aurel/

 AchterZwerg (01.04.25, 07:37)
Die beste Rache ist, nicht so wie derjenige zu sein, der uns gekränkt hat.
Das ist eine Sichtweise, die ich ganz & gar teile.

Nicht immer gelingt es, dem Kränkenden in christlicher Nächstenliebe zu begegnen - zuweilen muss er wohl einfach (zukünftig) ignoriert werden.

Liebe Grüße
Piccola

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 01.04.25 um 11:48:
Grazie, Piccola,
der Gedanke wird noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass in seinem Herkunftsland die Vendetta als Alternative gilt.
Liebe Grüße
Ekki

 lugarex (01.04.25, 11:58)
sehr interessant; ausser, dass ich anfänglich statt "Stoiker" glatt "Stalker" gelesen habe! 
(ohne Brille, natürlich...) 8-)

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.25 um 12:24:
Merci, Luga, das mag daran liegen, dass es heute wohl mehr Stalker als Stoiker gibt.

 harzgebirgler (01.04.25, 12:35)
hallo ekki,

die stoa ist nur eine sicht der welt
die auch den menschen gern ins zentrum stellt
gipfelnd bei descartes dann sprichwörtlich
im diktum "ich denke, also bin ich".

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 01.04.25 um 13:42:
Merci Henning,
ich schätze besonders das Denken Marc Aurels, das selbstloser ist als das von vielen Christen.

LG
Ekki

 harzgebirgler meinte dazu am 02.04.25 um 08:38:
:) :) 
...die stoa verlor durch den aufstieg des christentums zur römischen staatsreligion dann eh erheblich an boden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa#Fortwirken_der_Stoa_jenseits_der_Antike

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 02.04.25 um 20:29:
Das stimmt, aber das stoische Denken lebte in dem der Christen weiter. "Gleichwohl kam es in Fragen von Ethik und Moral zu einem beachtlichen Verschmelzungsprozess, der stoische Elemente in christliche Lebensartüberführte."    https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa#Fortwirken_der_Stoa_jenseits_der_Antike

Antwort geändert am 02.04.2025 um 20:35 Uhr
hehnerdreck (67)
(01.04.25, 21:11)
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 EkkehartMittelberg meinte dazu am 02.04.25 um 20:34:
Ja, Hehner, dieses Zitat verkörpert die Kernsunstanz stoischen Denkens.
LG
Ekki

 Saira (03.04.25, 19:41)
Chapeau, lieber Ekki,
 
dein Gedicht reflektiert sehr eindrucksvoll die stoische Philosophie, die Mark Aurel verkörperte. Es greift zentrale Themen der stoischen Lehre auf, wie die Akzeptanz des Todes, die Bedeutung eines tugendhaften Lebens und die innere Ruhe, die durch Selbstbeherrschung und Weisheit erreicht werden kann.
 
Besonders eindrucksvoll ist für mich die Vorstellung, dass der Tod nicht gefürchtet werden muss, wenn man ein erfülltes Leben geführt hat. Diese Gelassenheit im Angesicht des Unvermeidlichen ist ein zentraler Aspekt der stoischen Philosophie.
 
Das Gedicht erinnert daran, dass wahres Glück und Zufriedenheit nicht von äußeren Umständen abhängen, sondern von unserer inneren Einstellung und unserem Charakter.
 
Insgesamt ist dein Gedicht eine gelungene Hommage an Mark Aurel und seine Philosophie. Es ermutigt uns, in uns selbst zu schauen und die Weisheit zu finden, die wir für ein erfülltes Leben benötigen.
 
Herzliche Grüße
Sigi



P.S.: Meine Lieblingsverse sind:
Wir müssen lernen, uns selbst zu achten,

um nicht das Denken Anderer höher einzuschätzen als unsere eigene kritische Vernunft.


 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.04.25 um 20:53:
Liebe Sigi,
deine sorgfältig geschriebenen und sprachlich klaren Kommentare sind für mich immer wieder ein Besonderer Grund zur Freude.
Grazie
Ekki
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