Endlich von erdrückenden Schulden befreit

Sonett zum Thema Lebensbetrachtung

von  EkkehartMittelberg

Du hast die Kindheit freudelos durchlitten,
verschuldet arm das Leben zugebracht,
vergeblich depressiv Erfolg gedacht
und arbeitswütig dir den Schlaf beschnitten.

Obwohl du produktiv warst ohne Ende
und die Romane schließlich Absatz fanden,
Schulden maßlos dir zum Halse standen,
für Eleganz und Luxus kauftest du behände.

Du kanntest die Gesellschaft und die Frauen,
sie halfen dir, du konntest auf sie bauen,
die schöne Gräfin, Ende aller Sorgen,

„Comédie Humaine“, du warst am Schluss geborgen,
ein Sittenbild als Spiegel deiner Zeit,
die Ehrenlegion war nun bereit.

 Juni 2017





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Kommentare zu diesem Text


 harzgebirgler (30.09.24, 14:12)
hallo ekki,

ein literat - echt kolossal
des großartiger werke zahl
dafür sorgt dass sein name bleibt
zumal wie balzac kaum wer schreibt.

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 30.09.24 um 16:51:
Merci , Henning,                                  schon im 10. Schuljahr fiel mir Balzac mit "Glanz und Elend der Kurtisanen" in die Hände. Die Handlung seiner spannenden Romane stellt keine sehr hohen Ansprüche und so habe ich sie wochenlang geradezu verschlungen. Hier ist eine Kostprobe aus dem o.a. Roman:
"Nachdem der undurchsichtige Abbé Carlos Herrera, der in Wahrheit der entlaufene Sträfling  Vautrin alias Collin ist, den jungen Dichter  Lucien de Rubempré vor dem Selbstmord gerettet hat (damit endete Verlorene Illusionen), kehrt dieser 1824 in das gesellschaftliche Leben von Paris zurück. Von Herrera/Vautrin/Collin protegiert gilt er als geheimer Mitarbeiter verschiedener Politiker und wird Liebhaber von Damen der Gesellschaft wie der Herzogin de Maufrigneuse und Madame de Sérizy. Lucien ist aber heimlich mit der Kurtisane Esther liiert, die Collin vorübergehend in einem Kloster hatte erziehen lassen. Sie ist dadurch geläutert und lebt jetzt nur noch für ihre Liebe zu Lucien. Collin arbeitet weiter am Aufstieg Luciens in der guten Gesellschaft und stattet ihn dafür großzügig mit finanziellen Mitteln aus; Lucien soll stellvertretend gesellschaftliche Stellung und Anerkennung erreichen, was Collin als Geächtetem verwehrt ist (in  Vater Goriot näherte sich Collin bereits  Eugène de Rastignac mit einem ähnlichen Ansinnen, wurde aber von diesem zurückgewiesen). Lucien hat um das Jahr 1829 die Aussicht, die vermögende, aber hässliche Clotilde de Grandlieu zu heiraten, muss aber als Voraussetzung selbst ein Vermögen vorweisen. Das übersteigt jedoch selbst die Möglichkeiten Collins.
 Glanz und Elend der Kurtisanen Vautrin findet Esther
Als bei einer nächtlichen Spazierfahrt der Bankier Nucingen Esther zufällig sieht und sich prompt in sie verliebt, sieht Collin seine Chance gekommen: Er drängt Esther, auf das Werben Nucingens einzugehen – sich also trotz, aber auch wegen der Liebe zu Lucien wieder als Kurtisane zu betätigen – und den Bankier so lange auszunehmen, bis Lucien das für seine Heirat mit Clotilde nötige Vermögen beisammen hat. Nach der Einweihung eines verschwenderisch ausgestatteten Palais, das Nucingen für Esther gekauft hat, begeht diese, innerlich gebrochen, Selbstmord. Sie erfährt nicht mehr, dass sie die Alleinerbin des Wucherers Gobseck ist, der ihr ein Millionenvermögen hinterlassen hat, das alle Probleme Luciens hätte lösen können."  (Wikipedia)

Antwort geändert am 30.09.2024 um 17:15 Uhr

 AchterZwerg (30.09.24, 14:55)
Ja,
ein Auffälliger und Schwerer unter den Kollosalen.

Ich selber bin glückliche Besitzerin der Tolldreisten Geschichten, von Doré illustriert (Opera Verlag), ein echtes Leckerli, da kommt kaum eine Gräfin mit. 8-)
Du erweist ihm die gebührende Ehre, einem wirklich ganz großen Erzähler vor dem Herrn!

Liebe Grüße
Piccola

 EkkehartMittelberg antwortete darauf am 30.09.24 um 17:14:
Vielen Dank, Piccola,

auch zartbesaitete Wesen lesen sich bei Balzac fest. Die tolldreisten Geschichten wirken heute immer noch toll, aber weniger dreist.
"Balzacs Porträt der französischen Gesellschaft als frivoles Völkchen.
In den drei Mal zehn kernigen Geschichten dieser Sammlung porträtiert Balzac die französische Gesellschaft des späten Mittelalters als frivoles Völkchen. Ritter und Bauern, Edelfrauen und Nonnen, holde Schönheiten und raue Berserker geben sich ohne Scheu dem erotischen Vergnügen hin und achten in ihrer Lust keinerlei Standesgrenzen. Weil Balzac das moralische Empfinden zarter Seelen zu strapazieren drohte, warnte er eingangs vor explizitem Inhalt: »Das ist ein stark gepfeffertes Buch, ein Buch für die Kenner kräftiger und saftiger Bissen.«  (Wikipedia)


Liebe Grüße
Ekki

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 Saira (30.09.24, 17:28)
Lieber Ekki,

dein Sonett ist eine sehr schöne Würdigung für Honoré de Balzac.

Ich habe seinen Roman „Le Père Coriot“ noch in guter Erinnerung.

Liebe Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 30.09.24 um 17:58:
Liebe Sigi,
wir gehören zu zwei Generationen, die noch Primärtexte großer Literaten gelesen haben. Wenn wir damit aufhören, wird das Niveau sinken, weil potenziellen Avantgardisten nicht mehr bewusst ist, welche schriftstellerischen Leistungen sie weiterführen könnten.

Liebe Grüße
Ekki
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