Rhapsody in Blue

Ansprache zum Thema Farben

von  EkkehartMittelberg


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Blue Piano, du stehst ganz frei in einem hohen, weiten, weißen Saal. An den Wänden ein paar Bilder: Chagall, Picasso und Klee. Letzte Sonnenstrahlen lassen dein Kobaltblau aufleuchten.

Ich sitze in einem Sessel in der Ecke. Jemand betritt den Raum und malt mit deinen reinen Tönen: The blue tango, Red Roses for a blue Lady. Aber das ist nur Vorspiel, und dann erklingt sie, die Rhapsody in Blue von Gershwin.

Ich schließe die Augen und spüre, wie die Farben zu tanzen beginnen, wie sie wirbeln, der Raum schwingt. Und du wirst mitgenommen, du verlierst die Schwerkraft, Blue Piano, hebst ab, wirst in den Sog der Farben gerissen und tanzt mit.

Marc Chagall sieht es, er hat es nicht anders erwartet. Die letzten Töne verklingen. Ich öffne die Augen. Du stehst wieder an deinem Platz.




Anmerkung von EkkehartMittelberg:

Bildquelle: Pixabay, deedee51-blue-1713-283_1920

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Kommentare zu diesem Text


 Saira (12.04.26, 10:04)
Moin Ekki,

dein Text ist wie eine kleine Reise durch Licht und Klang. Deine Bilder wirken lebendig, und ich hatte beim Lesen das Gefühl, selbst durch den weißen Saal zu schweben, getragen von den Klängen der Rhapsody in Blue.

Besonders schön finde ich, wie du Musik und Malerei verbindest – Chagall, Picasso und Klee als stille Zeugen dieses Moments – und wie du das Blau zugleich festhältst und fließen lässt. Es ist, als würden Raum, Ton und Farbe zu einer einzigen, magischen Bewegung verschmelzen.

Herzliche Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 12.04.26 um 17:49:
Sigi, ich habe mich oft gefragt, warum es dir gelingt, immer wieder so gute kommentare zu schreiben. Dazu gehören natürlich ein gutes Sprachvermögen und ein analytischer Verstand. Aber das Wichtigste ist Selbstlosigkeit, die Bereitschaft sich auf die Texte eines Anderen einzulassen, um ihre Intention genau zu erspüren. Für diese Selbstlosigkeit danke ich dir sehr.
Herzliche Grüße
Ekki

 Saira antwortete darauf am 12.04.26 um 18:59:
Deine Worte, lieber Ekki, nehme ich still und dankbar an. Ich glaube, gutes Lesen entsteht einfach dort, wo man sich öffnen kann und dein Text hat genau diesen Raum geschaffen.

Herzliche Grüße
Sigi

 Nuna (12.04.26, 10:07)
..wunderbar wie hier Kunst und Musik miteinander verschmelzen:).

LG Nuna

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 12.04.26 um 17:50:
Vielen Dank, Nuna. Darum geht es in diesem Textchen.
LG
Ekki

 harzgebirgler (12.04.26, 13:28)
:) :) :D :D
Lieber Ekki,

George Gershwins unter Hochdruck entstandene, phantastische Rhapsodyin Blue schätze ich seit meiner Jugend sehr. Sie war anfangs nur für zwei Klaviere konzipiert und enthielt lediglich Bemerkungen zur Instrumentation. Sein Freund Ferde Grofé setzte diese dann um und beendete die Orchestrierung - ebenfalls unter Hochdruck - erst acht Tage vor der New Yorker Premiere im Februar 1924.

Arbeitstitel des Stückes war übrigens American Rhapsody, doch Gershwins Bruder Ira schlug den Namen Rhapsody in Blue vor, nachdem er eine Ausstellung von James McNeill Whistler besucht hatte, der seinen Gemälden oft Namen wie Symphony in White, No. 1: The White Girl (1862) und Harmony in Grey and Green (1873) gab oder auch 

Nocturne: Blue and Silver - Chelsea (1871).
Wobei letzteres heute fast an den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal 'Timmy' denken lässt.

Herzliche Grüße
Henning

 EkkehartMittelberg äußerte darauf am 12.04.26 um 17:55:
Gracias, Henning,
egal, was du kommentierst, man lernt immer etwas dazu.
Herzliche Grüße
Ekki

 plotzn (12.04.26, 15:19)
Servus Ekki,

Farben und Musik, beides etwas für die Sinne und die Fantasie - und hier gekonnt miteinander verwoben.

Liebe Grüße
Stefan

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 12.04.26 um 17:58:
Merci, Stefan, Farben und Musik haben in meinem Lebenimmer eine bedeutende Rollse gespielt.

Liebe Grüße
Ekki

 Teo (12.04.26, 18:28)
Grüß dich Ekki,
mal unabhängig vom mitreißenden Zusammenspiel mit musikalischen Kompositionen ist Blau tatsächlich eine Farbe, die einen Veränderung bewirkenden Einfluss auf mich hat.
Im positiven Sinne. Sie wirkt auf mich beruhigend, optimistisch, fast erheiternd.
Ich kann deiner kleinen Gedankenreise absolut folgen.
Es grüßt 
Teo

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 12.04.26 um 23:07:
Merci, das freut mich, Teo
Gruß
Ekki

 Pearl (12.04.26, 18:35)
Paul Klee und Chagall, pure Liebe. Die "Rhapsodie in Blue" ... du hast sie erfühlt und ich möchte sie nun gern hören, trägt sie doch meine Lieblingsfarbe im Titel.
Yves Klein ist jener Künstler, der gemeinsam mit einem Chemiker ein "eigenes", ein neues Blau erschaffen hat. Er hätte auch gut in deinen Text gepasst!
Ein kleiner Kritikpunkt: Das eingefügte Bild finde ich kitschig. Bitte nicht böse nehmen, aber ich finde die Phantasie würde ein schöneres erschaffen. 

Liebe Grüße,

Pearl

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 12.04.26 um 18:51:
Vielen Dank, Pearl,
ich bin keineswegs böse. Kitsch definiert sich in erster Linie durch Übertreibung. Ich habe das Bild gewählt, weil es für mich eindrucksvoll verschiedene Nuancen von Blau enthält.
Liebe Grüße
Ekki
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