Der morbide Charme der K.u.k.- Monarchie
Sonett zum Thema Untergang
von EkkehartMittelberg
Kommentare zu diesem Text
Graeculus (76)
(26.08.24, 00:11)
(26.08.24, 00:11)
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Graeculus (76) meinte dazu am 26.08.24 um 00:12:
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hehnerdreck (67) antwortete darauf am 26.08.24 um 00:22:
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Ein köstlich-witziges Zitat!
Merci für den originellen Kommentar, Graeculus. Ich bin bis jetzt nie auf witzige Äußerungen von Joseph Roth gestoßen. Die witzige Irmgard Keun, die Autorin des kunstseidenen Mädchens, hätte es aber mit einem witzlosen Autor nicht so lange ausgehalten.
Ich vermute, dass deine Frage rhetorisch ist und dass du mehr weißt.
Ich vermute, dass deine Frage rhetorisch ist und dass du mehr weißt.
Graeculus (76) ergänzte dazu am 26.08.24 um 18:04:
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hehnerdreck (67)
(26.08.24, 00:24)
(26.08.24, 00:24)
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Das dritte Zitat ist besonders aufschlussreich für Joseph Roth, der sein Leben und das seiner Frau immer wieder neu erfand: "Volker Weidermann: „Ja, er hatte ein dichterisches Verhältnis zum Leben insgesamt, dichtete gern, erfand einfach gern Geschichten und an der Basis von all dem stand seine Lebensgeschichte. Und er hasste Langeweile, er hasste es, die gleichen Geschichten immer wieder neu zu erzählen, und irgendwie…
30.48 ich habe es immer auch als Protest dagegen verstanden, sein Leben nur einmal zu erzählen, oder sich festzulegen auf die Herkunft, das Judentum usw; ich glaube, seine Art, das Leben immer wieder neu zu erzählen, anders zu erzählen, oder sich als Katholik zu erzählen, als Jude, als Sozialist, als Monarchist zu erzählen, … ich glaube, er hat das selbst gar nicht als Lügen oder andere Geschichten empfunden, sondern sein Leben – unser aller Leben ist so viel vielschichtiger als es in einen Lebenslauf passt, als es in eine Autobiografie passt, man kann auch seine eigene Lebensgeschichte eben im Grunde immer anders erzählen, wenn man nur ein bisschen den Standort wechselt, wenn man es von einer anderen Position aus betrachtet, wenn man einen anderen Schwerpunkt legt, das ist bei uns allen so, und ich finde das faszinierend, dass man sein Leben auch anders erzählen kann, und er hat das einfach besonders genutzt und auserzählt!“ Eine Lange Nacht über Joseph Roth - "Böse, besoffen, aber gescheit" (deutschlandfunk.de)
30.48 ich habe es immer auch als Protest dagegen verstanden, sein Leben nur einmal zu erzählen, oder sich festzulegen auf die Herkunft, das Judentum usw; ich glaube, seine Art, das Leben immer wieder neu zu erzählen, anders zu erzählen, oder sich als Katholik zu erzählen, als Jude, als Sozialist, als Monarchist zu erzählen, … ich glaube, er hat das selbst gar nicht als Lügen oder andere Geschichten empfunden, sondern sein Leben – unser aller Leben ist so viel vielschichtiger als es in einen Lebenslauf passt, als es in eine Autobiografie passt, man kann auch seine eigene Lebensgeschichte eben im Grunde immer anders erzählen, wenn man nur ein bisschen den Standort wechselt, wenn man es von einer anderen Position aus betrachtet, wenn man einen anderen Schwerpunkt legt, das ist bei uns allen so, und ich finde das faszinierend, dass man sein Leben auch anders erzählen kann, und er hat das einfach besonders genutzt und auserzählt!“ Eine Lange Nacht über Joseph Roth - "Böse, besoffen, aber gescheit" (deutschlandfunk.de)
Antwort geändert am 26.08.2024 um 18:22 Uhr
Lieber Ekki,
zweifellos einer der großen Literaten, dessen Charme auch ich immer wieder gern erliege.
In deinem Gedicht hast du auf liebevolle Weise zusammengefasst, was ihn so ausmachte, den herausragend guten Schriftsteller auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch.
Herzliche Grüße
Piccola
zweifellos einer der großen Literaten, dessen Charme auch ich immer wieder gern erliege.
In deinem Gedicht hast du auf liebevolle Weise zusammengefasst, was ihn so ausmachte, den herausragend guten Schriftsteller auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch.
Herzliche Grüße
Piccola
Grazie, Piccola,
als Säufer hätte Joseph Roth in Selbstmitleid dem Kitsch verfallen können. Aber sein sicheres Gefühl für guten Stil hat das verhindert. "Radetzkymarsch" und/oder "Hiob" zählen für mich zu den hundert Büchern der Weltliteratur.
Herzliche Grüße
Ekki
als Säufer hätte Joseph Roth in Selbstmitleid dem Kitsch verfallen können. Aber sein sicheres Gefühl für guten Stil hat das verhindert. "Radetzkymarsch" und/oder "Hiob" zählen für mich zu den hundert Büchern der Weltliteratur.
Herzliche Grüße
Ekki
Moin Ekki,
schade, dass J.R. dem Alkohol verfallen war. Er war, trotz seines Alkoholkonsums, ein scharfer Beobachter seiner Zeit.
Liebe Grüße
Sigi
P.S.: Zurzeit sind deine Texte im Schriftbild etwas klein geraten. Zum Lesen habe ich meine Lupe hervorgeholt
schade, dass J.R. dem Alkohol verfallen war. Er war, trotz seines Alkoholkonsums, ein scharfer Beobachter seiner Zeit.
Liebe Grüße
Sigi
P.S.: Zurzeit sind deine Texte im Schriftbild etwas klein geraten. Zum Lesen habe ich meine Lupe hervorgeholt
Kommentar geändert am 26.08.2024 um 10:58 Uhr
Gracias, Sigi,
dies schrieb Eva Pfister über den genialen Joseph Roth im Deutschlandfunk: "Joseph Roth war ein glänzender Erzähler und Figurenerfinder. Das beweisen zum einen seine Romane und Novellen. Sie handeln von Intriganten und Schmugglern, von verliebten Eisenbahnern und Gräfinnen, von Offizieren, wie er vorgab, selbst einer zu sein, und von frommen Juden, wie er im Grunde einer war. Aber das berichten zum andern auch alle Zeitgenossen, die ihm gebannt zuhörten, wenn er seine Legenden wob. Seine zeitweilige Lebensgefährtin Irmgard Keun, die ihn in der Emigration 1936 kennenlernte, schrieb über ihn: „Bis zur Erschöpfung spielte er zuweilen die Rolle eines von ihm erfundenen Menschen, der Eigenschaften und Empfindungen in sich barg, die er selbst nicht hatte. Es gelang ihm nicht, an seine Rolle zu glauben, doch er empfand flüchtige Genugtuung und Trost, wenn er andere daran glauben machen konnte. Seine eigene Persönlichkeit war viel zu stark, um nicht immer wieder das erfundene Schattenwesen zu durchtränken, und so empfand er sich manchmal als ein seltsam wandelndes Gemisch von Dichtung und Wahrheit, das ihn selbst zu einem etwas erschrockenen Lachen reizte.“
Im Exil ergab sich Joseph Roth immer mehr dem Alkohol und schrieb doch bis zu seinem Tod im Mai 1939 wütend und klarsichtig gegen die nationalsozialistische Barbarei an. Unter eine Zeichnung, die ihn am Bistrotisch zeigt, schrieb er im November 1938: „Das bin ich wirklich; böse, besoffen, aber gescheit.“
https://www.deutschlandfunk.de/eine-lange-nacht-ueber-joseph-roth-boese-besoffen-aber-100.html
dies schrieb Eva Pfister über den genialen Joseph Roth im Deutschlandfunk: "Joseph Roth war ein glänzender Erzähler und Figurenerfinder. Das beweisen zum einen seine Romane und Novellen. Sie handeln von Intriganten und Schmugglern, von verliebten Eisenbahnern und Gräfinnen, von Offizieren, wie er vorgab, selbst einer zu sein, und von frommen Juden, wie er im Grunde einer war. Aber das berichten zum andern auch alle Zeitgenossen, die ihm gebannt zuhörten, wenn er seine Legenden wob. Seine zeitweilige Lebensgefährtin Irmgard Keun, die ihn in der Emigration 1936 kennenlernte, schrieb über ihn: „Bis zur Erschöpfung spielte er zuweilen die Rolle eines von ihm erfundenen Menschen, der Eigenschaften und Empfindungen in sich barg, die er selbst nicht hatte. Es gelang ihm nicht, an seine Rolle zu glauben, doch er empfand flüchtige Genugtuung und Trost, wenn er andere daran glauben machen konnte. Seine eigene Persönlichkeit war viel zu stark, um nicht immer wieder das erfundene Schattenwesen zu durchtränken, und so empfand er sich manchmal als ein seltsam wandelndes Gemisch von Dichtung und Wahrheit, das ihn selbst zu einem etwas erschrockenen Lachen reizte.“
Im Exil ergab sich Joseph Roth immer mehr dem Alkohol und schrieb doch bis zu seinem Tod im Mai 1939 wütend und klarsichtig gegen die nationalsozialistische Barbarei an. Unter eine Zeichnung, die ihn am Bistrotisch zeigt, schrieb er im November 1938: „Das bin ich wirklich; böse, besoffen, aber gescheit.“
https://www.deutschlandfunk.de/eine-lange-nacht-ueber-joseph-roth-boese-besoffen-aber-100.html
Zweimal Dankeschön an dich, lieber Ekki, diese Schriftgröße kann ich ohne Lupe lesen 
Es ist immer wieder interessant und lehrreich für mich, was du von berühmten Dichter und Philosophen zu berichten weißt.

Es ist immer wieder interessant und lehrreich für mich, was du von berühmten Dichter und Philosophen zu berichten weißt.
Servus Ekki,
da musste ich jetzt erst mal googeln. J.R, kannte ich bisher nur aus der amerikanischen Seifenoper Dallas. Wieder was gelernt...
Liebe Grüße
Stefan
da musste ich jetzt erst mal googeln. J.R, kannte ich bisher nur aus der amerikanischen Seifenoper Dallas. Wieder was gelernt...
Liebe Grüße
Stefan
Stefan, Stefan,
d a s gibt jetzt aber Punkteabzug!
Eine Frage am Rande: Hast du "Dallas" seinerzeit gemeinsam mit unserem berüchtigten Herner angeschaut?
Fragtjanur
derKopfschüttelnde8.
d a s gibt jetzt aber Punkteabzug!
Eine Frage am Rande: Hast du "Dallas" seinerzeit gemeinsam mit unserem berüchtigten Herner angeschaut?
Fragtjanur
derKopfschüttelnde8.
Teo (73) meinte dazu am 26.08.24 um 16:58:
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@ Teo
:D
:D
Antwort geändert am 26.08.2024 um 17:02 Uhr
Hallo Stefan.
deine Ehrlichkeit ehrt dich. Man kann nicht alles lesen und wissen. Aber wenn du Joseph Roths "Radetzkymarsch" noch nicht gelesen hast, lege ich ihn dir ans Herz. Du wirst es nicht bereuen.
Liebe Grüße
Ekki
deine Ehrlichkeit ehrt dich. Man kann nicht alles lesen und wissen. Aber wenn du Joseph Roths "Radetzkymarsch" noch nicht gelesen hast, lege ich ihn dir ans Herz. Du wirst es nicht bereuen.
Liebe Grüße
Ekki
J.R.
Dallas
Herrlich, hab ich früher auch gesehen
Teo (73)
(26.08.24, 17:03)
(26.08.24, 17:03)
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Halo Teo,
es gibt die schönsten Empfehlungen zur Literaturgeschichte, aber alles ist eine Frage der Zeit. Für meisterhafte Filme sollte sie aber reichen. Zwei Werke von Joseph Roth wurden von Bernhard Wicki hinreißend verfilmt: "Das falsche Gewicht" und "Das Spinnennetz".
Beste Grüße
Ekki
es gibt die schönsten Empfehlungen zur Literaturgeschichte, aber alles ist eine Frage der Zeit. Für meisterhafte Filme sollte sie aber reichen. Zwei Werke von Joseph Roth wurden von Bernhard Wicki hinreißend verfilmt: "Das falsche Gewicht" und "Das Spinnennetz".
Beste Grüße
Ekki
:)
eindrucksvolle hommage, lieber ekki!
erinnerlich ist mir nur die von dir im kommentarstrang dankenswerterweise erwähnte wicki-verfilmung des roth-romans 'das falsche gewicht' mit dem unvergesslichen helmut qualtinger in der hauptrolle des eichmeisters eibenschütz. hat mir seinerzeit sehr imponiert und gefallen.
beste grüße
henning
eindrucksvolle hommage, lieber ekki!
erinnerlich ist mir nur die von dir im kommentarstrang dankenswerterweise erwähnte wicki-verfilmung des roth-romans 'das falsche gewicht' mit dem unvergesslichen helmut qualtinger in der hauptrolle des eichmeisters eibenschütz. hat mir seinerzeit sehr imponiert und gefallen.
beste grüße
henning
Mondscheinsonate (48)
(04.09.24, 20:30)
(04.09.24, 20:30)
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Das trifft absolut zu.
Es gibt Autoren, zu denen man trotz hoher Wertschätzung Distanz bewahrt. Roth ist einer zum Verlieben.
Es gibt Autoren, zu denen man trotz hoher Wertschätzung Distanz bewahrt. Roth ist einer zum Verlieben.