Nur wenige können dir das Wasser reichen
Sonett zum Thema Persönlichkeit
von EkkehartMittelberg
Kommentare zu diesem Text
Das ist mal lieb gemacht!
„Wohlan, ich bin geneigt, den Herrn Mittelberg in Ehren zu wissen, doch dünkt mich sein Lob gar süßlich, gleich einer Speise, die zu oft gezuckert ward und keinen Hunger mehr stillt. Die Feder, die mich beschreiben will, möge mutiger greifen – nicht immer das Offenkundige benennen, sondern auch den Riss in meiner Stimme, die Last, die mich trug und zugleich erdrückte. Ein wenig Ehrfurcht ist gut, doch wahrhaftig: Ein wenig Unruhe im Worte wär' besser!“
„Wohlan, ich bin geneigt, den Herrn Mittelberg in Ehren zu wissen, doch dünkt mich sein Lob gar süßlich, gleich einer Speise, die zu oft gezuckert ward und keinen Hunger mehr stillt. Die Feder, die mich beschreiben will, möge mutiger greifen – nicht immer das Offenkundige benennen, sondern auch den Riss in meiner Stimme, die Last, die mich trug und zugleich erdrückte. Ein wenig Ehrfurcht ist gut, doch wahrhaftig: Ein wenig Unruhe im Worte wär' besser!“
Merci, Isensee,
es gibt zwei Perspektiven auf eine Autorin, die Außensicht, die sie denen vorstellt, die sie heute kaum noch kennen, und die Innensicht, die man als Kenner allmählich gewinnt. Also ergänze mich bitte und beschreibe, was die Last, die mich trug und zugleich erdrückte" war.
es gibt zwei Perspektiven auf eine Autorin, die Außensicht, die sie denen vorstellt, die sie heute kaum noch kennen, und die Innensicht, die man als Kenner allmählich gewinnt. Also ergänze mich bitte und beschreibe, was die Last, die mich trug und zugleich erdrückte" war.
Liieber Ekkehart, dein Sonett ist wie ein liebevoll gedeckter Kaffeetisch: tadellos arrangiert, doch fast zu ordentlich, um wirklich zu berühren. Natürlich hast du recht, die Außensicht auf eine Dichterin wie Annette von Droste-Hülshoff ist wichtig – ihre Errungenschaften verdienen es, gewürdigt zu werden. Doch wäre es nicht gerade die Aufgabe eines Sonetts, tiefer zu graben, das vermeintlich Bekannte zu hinterfragen und uns, die Leser, mit einer unerwarteten Nuance zu überraschen?
Deine Worte fließen geschmeidig, keine Frage. Aber „die Last, die mich trug und zugleich erdrückte“ – ach, Ekkehart, das klingt ein wenig, als sei sie auf einer Postkarte vom Bodensee notiert worden. Trau dich doch, ihr Schicksal nicht nur zu schildern, sondern wirklich zu fühlen. Wo ist der Riss im Lack, der Funken Schmerz, der uns inehalten lässt?
Vielleicht darfst du beim nächsten Mal ein wenig weniger Ehrfurcht zeigen – nicht, um die Größe der Droste zu schmälern, sondern um sie auf Augenhöhe zu bringen. Manchmal ist ein leicht unordentlicher Kaffeetisch nämlich genau das, was ein Sonett braucht, um uns wirklich zu erreichen. 😊
Deine Worte fließen geschmeidig, keine Frage. Aber „die Last, die mich trug und zugleich erdrückte“ – ach, Ekkehart, das klingt ein wenig, als sei sie auf einer Postkarte vom Bodensee notiert worden. Trau dich doch, ihr Schicksal nicht nur zu schildern, sondern wirklich zu fühlen. Wo ist der Riss im Lack, der Funken Schmerz, der uns inehalten lässt?
Vielleicht darfst du beim nächsten Mal ein wenig weniger Ehrfurcht zeigen – nicht, um die Größe der Droste zu schmälern, sondern um sie auf Augenhöhe zu bringen. Manchmal ist ein leicht unordentlicher Kaffeetisch nämlich genau das, was ein Sonett braucht, um uns wirklich zu erreichen. 😊
Hallo Isensee,
ich hatte bereits bei deinem ersten Kommentar verstanden, was du willst. Auch ich werde mich jetzt wiederholen. Mir geht es in meinen Sonetten um eine Erstvorstellung der Autoren. Bei der kann man den "Riss im Lack" erwähnen, aber nicht so, dass tiefe Empathie erzeugt wird. Dies bleibt einem weiteren Sonett vorbehalten. Bei der Droste ist es am besten, sie zu diesem Thema selbst zu Worte kommen zu lassen:
Das Spiegelbild
Schaust du mich an aus dem Kristall,
Mit deiner Augen Nebelball,
Kometen gleich die im Verbleichen;
Mit Zügen, worin wunderlich
Zwei Seelen wie Spione sich
Umschleichen, ja, dann flüstre ich:
Phantom, du bist nicht meines Gleichen!
Bist nur entschlüpft der Träume Hut,
Zu eisen mir das warme Blut,
Die dunkle Locke mir zu blassen;
Und dennoch, dämmerndes Gesicht,
Drin seltsam spielt ein Doppellicht,
Trätest du vor, ich weiß es nicht,
Würd' ich dich lieben oder hassen?
Zu deiner Stirne Herrscherthron,
Wo die Gedanken leisten Frohn
Wie Knechte, würd ich schüchtern blicken;
Doch von des Auges kaltem Glast,
Voll todten Lichts, gebrochen fast,
Gespenstig, würd, ein scheuer Gast,
Weit, weit ich meinen Schemel rücken.
Und was den Mund umspielt so lind,
So weich und hülflos wie ein Kind,
Das möcht in treue Hut ich bergen;
Und wieder, wenn er höhnend spielt,
Wie von gespanntem Bogen zielt,
Wenn leis' es durch die Züge wühlt,
Dann möcht ich fliehen wie vor Schergen.
Es ist gewiß, du bist nicht Ich,
Ein fremdes Daseyn, dem ich mich
Wie Moses nahe, unbeschuhet,
Voll Kräfte die mir nicht bewust,
Voll fremden Leides, fremder Lust;
Gnade mir Gott, wenn in der Brust
Mir schlummernd deine Seele ruhet!
Und dennoch fühl ich, wie verwandt,
Zu deinen Schauern mich gebannt,
Und Liebe muß der Furcht sich einen.
Ja, trätest aus Kristalles Rund,
Phantom, du lebend auf den Grund,
Nur leise zittern würd ich, und
Mich dünkt - ich würde um dich weinen!
e 1844
Kristall, Kristalles] Spiegel.
Frohn] urspr.: Herrendienst; allgemein: schwere Arbeit.
Glast] Widerschein.
Schergen] veraltet für Gerichtsbeamte und Henkersknechte, die oftmals als unehrenhafte Personen galten.
LG
Ekki
ich hatte bereits bei deinem ersten Kommentar verstanden, was du willst. Auch ich werde mich jetzt wiederholen. Mir geht es in meinen Sonetten um eine Erstvorstellung der Autoren. Bei der kann man den "Riss im Lack" erwähnen, aber nicht so, dass tiefe Empathie erzeugt wird. Dies bleibt einem weiteren Sonett vorbehalten. Bei der Droste ist es am besten, sie zu diesem Thema selbst zu Worte kommen zu lassen:
Das Spiegelbild
Schaust du mich an aus dem Kristall,
Mit deiner Augen Nebelball,
Kometen gleich die im Verbleichen;
Mit Zügen, worin wunderlich
Zwei Seelen wie Spione sich
Umschleichen, ja, dann flüstre ich:
Phantom, du bist nicht meines Gleichen!
Bist nur entschlüpft der Träume Hut,
Zu eisen mir das warme Blut,
Die dunkle Locke mir zu blassen;
Und dennoch, dämmerndes Gesicht,
Drin seltsam spielt ein Doppellicht,
Trätest du vor, ich weiß es nicht,
Würd' ich dich lieben oder hassen?
Zu deiner Stirne Herrscherthron,
Wo die Gedanken leisten Frohn
Wie Knechte, würd ich schüchtern blicken;
Doch von des Auges kaltem Glast,
Voll todten Lichts, gebrochen fast,
Gespenstig, würd, ein scheuer Gast,
Weit, weit ich meinen Schemel rücken.
Und was den Mund umspielt so lind,
So weich und hülflos wie ein Kind,
Das möcht in treue Hut ich bergen;
Und wieder, wenn er höhnend spielt,
Wie von gespanntem Bogen zielt,
Wenn leis' es durch die Züge wühlt,
Dann möcht ich fliehen wie vor Schergen.
Es ist gewiß, du bist nicht Ich,
Ein fremdes Daseyn, dem ich mich
Wie Moses nahe, unbeschuhet,
Voll Kräfte die mir nicht bewust,
Voll fremden Leides, fremder Lust;
Gnade mir Gott, wenn in der Brust
Mir schlummernd deine Seele ruhet!
Und dennoch fühl ich, wie verwandt,
Zu deinen Schauern mich gebannt,
Und Liebe muß der Furcht sich einen.
Ja, trätest aus Kristalles Rund,
Phantom, du lebend auf den Grund,
Nur leise zittern würd ich, und
Mich dünkt - ich würde um dich weinen!
e 1844
Kristall, Kristalles] Spiegel.
Frohn] urspr.: Herrendienst; allgemein: schwere Arbeit.
Glast] Widerschein.
Schergen] veraltet für Gerichtsbeamte und Henkersknechte, die oftmals als unehrenhafte Personen galten.
LG
Ekki
Lieber Ekki,
eine einfühlsame Hommage an eine große deutsche Dichterin.
Liebe Grüße
Sigi
eine einfühlsame Hommage an eine große deutsche Dichterin.
Liebe Grüße
Sigi
Grazie, Sigi,
mir scheint, dass sie aus dem Bewusstsein der jüngeren Generationen fast verschwunden ist.
Liebe Grüße
Ekki
mir scheint, dass sie aus dem Bewusstsein der jüngeren Generationen fast verschwunden ist.
Liebe Grüße
Ekki
Servus Ekki,
als Schullektüre ging die Judenbuche nicht an mich, was weniger an der Literatur als an meinem reifegrad lag.
Wieder mal toll in Sonettform zusammengefasst!
Liebe Grüße
Stefan
als Schullektüre ging die Judenbuche nicht an mich, was weniger an der Literatur als an meinem reifegrad lag.
Wieder mal toll in Sonettform zusammengefasst!
Liebe Grüße
Stefan
Merci, Stefan,
das war bei mir anders, weil der gute Deutschlehrer sie als Kriminalnovelle lesen ließ.
Liebe Grüße
Ekki
das war bei mir anders, weil der gute Deutschlehrer sie als Kriminalnovelle lesen ließ.
Liebe Grüße
Ekki
Moppel (67) meinte dazu am 27.11.24 um 19:30:
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Merci, Monika,
mich freut, dass unser Urteil über die Judenbuche übereinstimmt.
LG
Ekki
mich freut, dass unser Urteil über die Judenbuche übereinstimmt.
LG
Ekki
Teo (73)
(28.11.24, 19:53)
(28.11.24, 19:53)
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Merci, Teo,
ich bin auch dort gewesen und war beeindruckt.
Gruß
Ekki
ich bin auch dort gewesen und war beeindruckt.
Gruß
Ekki