Weihnachten in Australien

Erzählung zum Thema Weihnachten

von  Saira

"Schau Nakomi, am Himmel ist der kleine Wagen zu erkennen!“, rief Chumani und ihre Augen leuchteten wie kleine Smaragde. „Ja, meine Kleine, das ist der Polarstern, der uns am hellsten erscheint. Kuschel dich noch enger an mich, damit dir nicht kalt wird und ich werde dir vom verrücktesten Weihnachten weltweit erzählen ...

 

Wir befinden uns ja auf der Nordhalbkugel und auf der anderen Seite, der Südhalbkugel, liegt der 5. Kontinent. Das ist Australien. Ich habe dir schon von einigen Tieren, die dort leben, erzählt. Du weißt von den Kängurus, die sogar boxen können und von den niedlichen Koalabären, die wie die Wombats zur Gattung der Beuteltiere gehören. Auch weißt du von den Straußenfarmen und den Schaf- und Rinderweiden. Australien liegt eingebettet zwischen dem Indischen und Pazifischen Ozean. Zum Land gehören noch einige Inselausläufer dazu, so auch die Weihnachtsinsel und die Kokosinseln. Auf diesen Eiländern leben rote Krabben, die im November, aus dem Regenwald kommend, an die Küsten strömen, um dort ihre Eier abzulegen. Dann sind da die Spitzmaus und wundervolle Vogelarten zu Hause, um nur ein paar Tierarten aufzuzählen.

 

Australien ist zwar der kleinste Kontinent, aber das sechstgrößte Land der Erde und nur schwach besiedelt. Die meisten Menschen leben in den Städten. Es ist die Heimat der tödlichsten Insekten, Reptilien und Meerestiere, wie zum Beispiel der sehr giftigen Schlangen, Spinnen und Salzwasserkrokodile.“

 

„Weißt Du noch, wie die Hauptstadt von Australien heißt?“, fragte Nakomi ihre Enkelin. Chumani überlegte und antwortete unsicher: „Caneby?“ „Fast richtig. Sie heißt Canberra“, korrigierte Nakomi und erzählte weiter ...

 

„Australien wird auch „Down Under“ genannt. Wie der Kontinent zu diesem Namen kam, werde ich dir ein anderes Mal erklären. Ich schweife sonst zu sehr ab.

 

In Australien herrscht im Dezember ein heißes und trockenes Klima. Es gibt keinen Schnee. Trotzdem werden die Häuser, Straßen und Kaufcenter festlich geschmückt und von überall her erklingen Weihnachtslieder. Die Tannenbäume sind aus Plastik und stehen immer so in den Wohnzimmern, dass sie von draußen betrachtet werden können. Die Menschen verlegen ihre Feierlichkeiten an den Pool oder Strand. Bei über 35 Grad im Schatten schwitzt auch Santa Claus und er trägt verständlicherweise nur eine Badehose und einen Rauschebart. Man sieht ihn dann auch schon mal auf dem Meer Wasserski fahren.

 

Schon ein paar Wochen vor dem Fest werden nach und nach die Geschenke unter den geschmückten Weihnachtsbaum gelegt. Eine spannende Geschichte für die Kinder, denn sie sind sehr damit beschäftigt zu raten, wem wohl welches Geschenk gehören könnte.

 

In Australien beginnt Weihnachten bereits am 16. Dezember und wird durch landweites Glockengeläut und abendliche Leuchtraketen begrüßt.

 

Am Heiligen Abend finden in den Städten die berühmten „Carols by Candlelight“ statt. Dort treten viele bekannte Sänger und Chöre auf, um Weihnachtslieder zu singen. Hunderttausende halten brennende Kerzen in den Händen und es entstehen zauberhafte Lichtermeere.

 

Den ersten Weihnachtstag feiern die Australier nur mit ihren Familien. Morgens werden die Geschenke ausgepackt. Danach wird das große Festessen vorbereitet. Es besteht aus Truthahn, geröstetem Gemüse und Weihnachtspudding. Beim gemeinsamen Speisen ist es üblich, dass jeder mit seinem Tischnachbarn an einem großen Weihnachtsbonbon zieht. So fällt da neben verschiedenen lustigen Sachen auch stets eine Papierkrone und ein Witz heraus. Die Krone muss aufgesetzt und der Witz vorgelesen werden.

 

Dein Großvater Nixkamich hat mir vor Jahren erzählt, dass in Australien am 1. Feiertag so viel Alkohol getrunken wird, dass die Menschen irgendwann nachts vollkommen betrunken umkippen.“ Der Santa Claus soll dann ebenfalls auf dem Rücken liegen, nur mit Badehose und Rauschebart bekleidet“, beendete Nakomi schmunzelnd ihre Erzählung.

 

Chumani blickte traumversunken zu den Sternen und meinte: „Das muss da ja wirklich lustig sein, obwohl mir wohl der Schnee fehlen würde.“ Dann wurde sie ernst und flüsterte: „Ob Großvater Nixkamichs Seele im Tal der ewigen Jagdgründe glücklich ist?“

 

„Aber ja doch, meine kleine Blume, Nixkamichs Seele lebt in einem Tal ohne Schmerzen und Sorgen bei ganz vielen Jagdtieren“, antwortete Nakomi.

 

Chumani lächelte und wurde aber gleich darauf wieder nachdenklich: „Ich muss gerade an die Kinder auf der Welt denken, die arm sind. Weißt du, wie sie Weihnachten verbringen?“

 

Nakomi blickte traurig in die Ferne und antwortete: „Ja, davon erzähle ich dir morgen, am Heiligen Abend, wenn wir mit unserer Familie und Freunden am Lagerfeuer sitzen. Jetzt singe ich dir noch zur Nacht unser Indianerlied. Dann wirst du schlafen gehen, damit dein Herz Ruhe findet.“ Nakomi sang ein uraltes Lied, das von dem Leid der Indianer in Amerika handelte. Sie blickte dabei in den Himmel und Schneeflocken schienen als Tränen herabzufallen, um die Erde zu berühren. Chumani schlief mit dem Kopf auf dem Schoß der Großmutter ein.



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Kommentare zu diesem Text


 AlmaMarieSchneider (12.12.22, 11:29)
Das sind sehr schöne Geschichten. Geschichten erzählen und zuhören, das sind heimelige Momente.

Liebe Grüße und sonnige Adventstage (hier ist es sonnig)

Alma Marie

 Saira meinte dazu am 13.12.22 um 17:04:
Liebe Alma Marie,
 
ich freue mich so sehr, dass du meine Geschichten lobst😊. Danke! (... auch für dein *chen)
 
Hier liegt schon etwas Schnee und heute war ein besonders schöner Tag: blauer Himmel, eiskalt und Sonne😊
 
Ich wünsche dir viele sonnige Adventstage!
 
Liebe Grüße
Sigrun

 AchterZwerg (13.12.22, 06:52)
Liebe Sigrun,

das ist eine anrührende Geschichte, die gut in die Adventszeit passt. Vor allem der letzte Abschnitt drückt förmlich auf die
Tränendrüsen. <3
Auch gefällt mir, dass dieses Kind seine eigene "Armut" gar nicht empfindet, sondern sich nur Gedanken über das (vermutete) Leid anderer macht.
Rundherum liebenswert!

Herzliche Grüße
Heidrun

P.s.: Haben deine Katzen Junge bekommen?

 Saira antwortete darauf am 13.12.22 um 17:05:
Liebe Heidrun,
 
ich habe meine Geschichte vor zwölf Jahren in der Vorweihnachtszeit geschrieben und ich meine mich erinnern zu können, dass ich mich zu dem Zeitpunkt in einer melancholischen Verfassung befunden habe. Da passte die kleine Chumani mit ihrer Großmutter Nakomi wunderbar hinein.
 
Dein Prädikat „rundherum liebenswert“ schenkt mir ein Lächeln😊. Ich danke dir von <3 !
 
Herzlichst
Sigrun
 
P.S.: Das Foto zeigt meinen Kater Ali, als mein Mann und ich ihn „adoptierten“. Als er vor einem Jahr, im Alter von 13 Jahren an Krebs verstarb, war der Schmerz ganz schrecklich. Ali war ein unglaublich lieber und süßer kleiner Kerl.

 TassoTuwas (13.12.22, 09:22)
Hallo Sigrun,
beieinander sitzen, in der Dunkelstunde, wie man es früher nannte, und Geschichten lauschen, hat etwas Friedlich-Beschauliches.
Erzähl nur weiter!
Liebe Grüße
TT

 Saira schrieb daraufhin am 13.12.22 um 17:06:
Gerne, lieber Tasso, nichts lieber als das😊. Lass uns so tun, als säßen wir vor einem Lagerfeuer und du und ich erzählen uns Geschichten. Um uns herum sind die Sterne und unsere Liebsten …
 
Herzliche Grüße
Sigrun
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