Mein erster wirklicher Freund war Elmar gewesen. Mit ihm war ich fast täglich in der kleinen Lintorfer Siedlung spielend und stromernd unterwegs gewesen. Dann verschwand er urplötzlich von der Bildfläche. Seine Eltern waren mit ihm in eine andere Stadt gezogen.
Er hinterließ eine Lücke, die niemand so recht zu schließen vermochte. Spiel- und Schulkameraden gab es etliche, aber einen echten Freund?
Einmal glaubte ich fündig geworden zu sein. Ein Klassenkamerad, den ich dann auch einige Male zuhause besuchte. Aber dann zog auch er plötzlich weg.
Diese Suche nach einem wahren Freund im Leben war viele Jahre ein starkes Grundmotiv in meinem Leben. Und die Ursache für so manche Enttäuschung!
Mittlerweile zweifele ich sogar, ob das mit Elmar und mir auf Dauer gutgegangen wäre.
Und so hatte ich während meiner Volksschulzeit keinen wirklichen Freund gefunden. Ein Kandidat hatte gar die Chuzpe, bei einem gemeinsamen Spielnachmittag mich zu beklauen.
Ich sagte nichts, mied ihn aber fortan!
Dann eines Tages, schon fast gegen Ende des vierten Schuljahres, lernte ich beim Warten auf den Schulbus Hans-Gerd und Jörg kennen. Sie gingen gemeinsam auf eine andere Vollksschule und waren dicke Freunde. Besonders den stilleren Jörg mochte ich auf Anhieb!
Aber die darauf folgenden Tage sah ich sie nicht mehr und vergaß sie recht bald wieder.
Bei meinem hervorragenden Notendurchschnitt war es klar, dass ich aufs Gymnasium wechseln würde. Ich wäre gerne auf das neugegründete Heiligenhauser Gymnasium gegangen, aber mein Stiefvater ließ sich nicht umstimmen und meldete mich für das Kettwiger Gymnasium an.
Ich war wirklich etwas sauer auf ihn, sagte aber nichts! Es hätte eh nichts mehr geändert!
Wie überrascht war ich, als ich am ersten Schultag Hans-Gerd und Jörg in meiner Klasse nebeneinander sitzen sah!
Heute bin ich mir da ganz sicher, dass mein Stiefvater ein Werkzeug der Vorsehung war. Hier in Kettwig erlebte ich Dinge, die mich nachhaltig prägen sollten!