Das Praktikumsjahr im Langenberger Kindergarten war vorbei und ich schrieb mich wie geplant an der FH Düsseldorf für ein Sozialpädagogikstudium ein. Zum Glück gab es von Hösel aus eine direkte Zugverbindung nach Düsseldorf, so dass die Fahrzeiten überschaubar blieben.
Zwar hatte ich inzwischen auch einen Führerschein gemacht, aber an ein Auto war nicht zu denken. Das hätte so Einiges erleichtert, auch meine spätabendlichen Heimreisen vom Ratinger Schachklub.
Ich war ziemlich überrascht, wie locker es an der FH zuging. Ob man regelmäßig Vorlesungen und Seminare besuchte, schien niemanden zu interessieren. Zumindest wurde es nicht kontrolliert. Eigenverantwortung hieß das Zauberwort.
Auch gab es wenig Frontalunterricht, sondern es wurde mehr über bestimmte Themen diskutiert. Nicht ganz zu Unrecht wurde da gelegentlich auch von einem Laberstudium gesprochen, was mich aber nicht weiter störte. Sture Paukerei war ja schon lange nicht mehr mein Ding.
Der hohe Frauenanteil im Studiengang – er lag gefühlt bei ca.90% - irritierte mich anfangs schon etwas. Allerdings hat ich ja im Praktikum so meine Erfahrungen mit geballter Frauenpower gemacht und dies erwies sich als recht nützlich. Faustregel: Eher mit als gegen den Strom schwimmen, freundliches Interesse zeigen, aber nicht zu vertraulich werden.
Zwischenzeitlich gewann ich zum zweiten Male die Ratinger Stadtmeisterschaft im Schach, was inzwischen aber niemand mehr groß überraschte.
Überrascht wurde ich allerdings von meinem Stiefvater, der mir einen gebrauchten Audi 60L schenkte. Was in der Folge mein Leben erheblich erleichterte.
Insgesamt hatte sich wirklich zum Guten gewendet, aber eines fehlte nach wie vor, ein wirklicher Freund oder aber die große Liebe. Würde ich eins von beiden jemals finden?