Kurzfristige Bestandsaufnahme und langfristige Planung
Tagebuch zum Thema Reisen
von S4SCH4
Nach einem Besuch in unteren Bezirk von Cittá Sant’Angelo bin ich satt und müde. 3 große Teile Pizza und 2 Softdrinks haben mich relativ zufrieden gemacht. Dennoch, ich spüre die Erkältung in meinen Knochen, Husten, laufende Nase und Kopfschmerzen; dafür ist der leidliche Halsschmerz nicht sehr ausgeprägt. Der Fuß ist ganz gut verheilt und wenn nichts dazwischenkommt, wird die Wunde bald vom Schorf befreit- und verheilt sein.
Ich sitze draußen und sehe mich um. Im Zimmer habe ich heute einen Koller bekommen, es wird mir zu eng, den ganzen Tag liegen und mich auskurieren ist irgendwann auch einfach mal too much.
Der Himmel zieht im Norden und Westen zu. Dicke Wolken schieben sich vor die dortige Gebirgslandschaft. Der Blick zum Meer im Osten ist noch relativ frei. Meine Versuche die kleinen Momente zu genießen sind mal erfolgreich und mal gehen sie schief …
Von den etwa 30 interessensbekundeten Annoncen zu Wohnungen und Zimmern in der Gegend um Pescara, habe ich einige Antworten bekommen, immerhin. Zumeist lautet die Antwort, dass es nicht in Frage käme, weil vorwiegend an Studenten vermietet wird oder aber nur für kurze Dauer. Eine Antwort war dabei, die aus dem Monatspreis mal eben auf Nachfrage den Wochenpreis machte und sich als B&B ausgab; in der Annonce war davon freilich nichts zu lesen.
Eine mögliche Unterkunft habe ich dennoch in Aussicht. Eventuell, denn ob ich bereits im November, statt dem ursprünglich angebotenen Dezember, zum Bezug des Zimmers kommen kann, wird sich die Tage erst noch klären. Bis dahin suche ich weiter. Wer denkt Wohnungsknappheit und bezahlbare Wohnungen seien ein deutsches Problem, der irrt scheinbar.
Die sogenannten Jugendproteste sind auch in Italien angekommen. Im Norden (in Mailand). Und auch im Süden, wie ich hörte. Die Polizei soll es richten, so sieht es die Regierung Meloni jedenfalls. Angefangen hat das Ganze in Frankreich, soweit ich die Nachrichten richtig im Kopf habe. Aber Frankreich hat eine andere Protestkultur; zumindest anders wie Deutschland. Italien ist näher an Frankreich, was Derartiges betrifft. In Frankreich gehen die Leute schnell auf die Barrikaden, oft als erstes Mittel. Italiens Proteste sind oft geprägt von ideologischen Fronten und Tradition (jährliche Uni- und Schulstreiks). In Deutschland ist der Protest institutionalisiert und oft fast schon letztes Mittel. Auch die Gewaltbereitschaft ist in Deutschland um einiges geringer, als in den beiden betreffenden Nachbarschaftsstaaten. Aber auch sie werden allerorts wieder verpuffen, die Schäden werden über Steuern abgewickelt und der Unmut ins System eingespeist, daran verdienen einige und wenige werden sich damit profilieren. Der Protest schafft sich seine eigene Elite- Essenz, ja, sein eigenes Gegenmittel und es wird immer schwerer mit Protesten etwas zu bewegen. Etwaige Zugeständnisse sind das, was sie sind, und jeder weiß, was mit Sündern passiert, die ihre Sünden vergeben bekamen, sie werden erlöst und steigen auf.
Ab morgen keine Wassereimer mehr für die Toilettenspülung und keine eiskalten Duschen mehr … ein wenig freue ich mich auf den „Komfort“ einer funktionierenden Spülung und von Warmwasser.
Aber der Weg fort von dem Landhof und in den Vorort von Pescara will auch erstmal gemacht sein. Nun heißt es: eine Nacht noch ausharren und dann hoffen, dass die Reifen halten.